Donnerstag, 1. Juni 2006

Björn Borg wird 50: Unfreundliche Schlagzeilen für die Tennis-Legende

  • Als Spieler weit erfolgreicher als im Geschäftsleben

Wenn Tennislegende Björn Borg seinen 50. Geburtstag feiert, werden sich auch daheim in Schweden die Jubelarien für den fünffachen Wimbledonsieger in Grenzen halten. Zu negativ waren in den vergangenen Monaten wieder die Schlagzeilen wegen undurchsichtiger Geschäftsgebaren, zweifelhaften Steuertricksereien und merkwürdiger Verkaufsinitiativen.

Es fällt auch Borgs tennisverliebten Landsleuten inzwischen schwer, für einen vermutlich steinreichen Jahrhundert-Sportler zu schwärmen, der doch tatsächlich auch noch seine fünf Wimbledon-Pokale per Auktion zu Geld machen wollte - angeblich um Angehörige "finanziell abzusichern".

Erst die lautstarken Proteste einstiger Erzrivalen wie Jimmy Connors (53) und John McEnroe (47) brachten den Mann mit dem gigantisch breiten Kreuz und Stirnband von seiner trostlosen Idee wieder ab. Björn Borg, am 6. Juni 1956 in Stockholm geboren, hat mit dem Tennisspielen an einem Garagentor in einer Straße von Södertälje begonnen, die heute seinen Namen trägt.

Als er 1982 im Alter von 26 Jahren zum ersten Mal seinen Rücktritt erklärte, hatte der Schwede das Herrentennis fast ein Jahrzehnt souverän beherrscht und spieltechnisch revolutioniert. Fünf Mal hintereinander gewann er zwischen 1975 und 1980 auf dem heiligen und sehr schnellen Rasen von Wimbledon und gleich sechs Mal auf dem langsamen Sandbelag der French Open in Paris.

Borg entwickelte sich mit beispiellos hartem Trainingseinsatz zu einem auf Sand zeitweise als unschlagbar geltenden Grundlinienspieler. "Man sollte Borg auf den Mond schießen. Wir spielen Tennis - er spielt etwas anderes", verzweifelte der Rumäne Ilie Nastase (59), bis zum Beginn der Borg-Triumphe die Nummer eins im Welttennis.

So stoisch ruhig der blonde Skandinavier auf dem Tennisplatz blieb, so extrem unruhig ging es für Borg privat und geschäftlich zu. Auf drei mit lautem und öffentlichem Getöse gescheiterte Verbindungen mit der rumänischen Tennisspielerin Mariana Simionescu, dem schwedischen Model Jannike Björling und der italienischen Sängerin Loredana Berté folgte die nunmehr stabil wirkende Ehe mit Patricia Östfeldt, einer 14 Jahre jüngeren Immobilienmaklerin aus Stockholm.

Auch als Geschäftsmann sorgte Borg immer wieder für Turbulenzen. 1996 meldete er in Schweden Konkurs an und machte sich bei Geschäftspartnern mit bis heute unbezahlten Millionenschulden höchst unbeliebt. Inzwischen bringt sein kurzer, einprägsamer Name mit dem legendären Klang als Warenmarke für Parfümes, Unterwäsche und anderes wieder Millionenumsätze. Borgs Eltern stehen für das Praktische - und bekamen wenige Wochen vor dem 50. Geburtstag ihres weltberühmten Sohnes Forderungen von Schwedens Steuerbehörde über 22 Millionen Kronen (2,4 Millionen Euro) ins Haus. Sie sollen Gelder in karibische Schlupflöcher verschoben haben.

(apa)

1.6.2006 13:47