Marcus Grönholm ist zurück: Finne feiert bei Akropolis-Rallye souveränen Triumph
- Schrecksekunde für Stohl: Wiener überschlug sich
- Andreas Aigner landet im Skoda Fabia auf Rang 14
Marcus Grönholm hat seinen Pechvogel abgehängt und den achten WM-Lauf der Saison in Griechenland für sich entschieden. Der Finne hielt im Ford Focus den Doppelweltmeister und fünffachen Saisonsieger Sebastien Loeb mit 2:26,8 Minuten auf Distanz und war zum dritten Mal in diesem Jahr erfolgreich. Allerdings verringerte sich Grönholms Rückstand bei WM-Halbzeit gegenüber dem Franzosen nur um zwei Zähler auf 29 Punkte. OMV-Pilot Manfred Stohl (Peugeot 307) wurde nach dem Ausfall als 17. klassiert, Andreas Aigner kam im Skoda Fabia auf Platz 14.
Grönholm hatte hart für diesen Sieg gefightet. Und nach dem Unfall des Norwegers Petter Solberg und dem Reifenplatzer von Loeb am Samstag schien der Weg zurück auf das Podest für den 38-Jährigen frei. Doch zu oft hatte er zuletzt Platz eins noch aus der Hand gegeben, deshalb war bei der tückischen und rauen "Akropolis" Vorsicht angesagt. "Jedes kleine Geräusch, das ich hörte, hat wirklich schlecht geklungen, aber das Auto lief gut. Ich habe versucht, die Geschwindigkeit so gut es geht zu drosseln, ich musste mich ständig auf all die Steine konzentrieren", war Grönholm angespannt.
Rallyefahren ist mehr als nur ein Job, aber manche Piloten wären nach dem harten Vormittag am Sonntagnachmittag am liebsten nicht mehr auf die Piste gegangen. Vor der finalen Super Special Stage im Athener Olympiastadion standen noch zwei Prüfungen auf dem Programm, die jeweils zweimal gefahren wurden und bereits in den Vortagen in anderer Richtung ebenfalls je zweimal absolviert wurden. Bei diesen Straßenverhältnissen eine harte Aufgabe. "Man kann das hier mit der Safari Rallye vergleichen. Schön wäre jetzt ein langes Regrouping und dann direkt zur Super Special zu fahren", meinte Grönholm im Vormittagsservice. Am Nachmittag ging niemand mehr ein zu großes Risiko ein und die Positionen hielten.
Petter Solberg, der am Samstag auf der Verbindungsetappe zur letzten SP einem Fahrzeug ausgewichen war und den Subaru Impreza mit gebrochener Radaufhängung und Steuerung stehen lassen musste, startete Sonntag inklusive fünf Strafminuten im Rahmen der SupeRally, gewann alle vier SP in den Bergen im Umland von Athen und wurde in seinem 100. WM-Lauf noch Siebenter. "Es ist zu spät, so einen Run hätten wir gestern gebraucht", sagte er.
Platz drei ging an Grönholms finnischem Landsmann und Teamkollegen Mikko Hirvonen, Vierter wurde in Toni Gardemeister (Citroen Xsara) ebenfalls ein Finne, auf Platz fünf reihte sich OMV-Pilot Henning Solberg (NOR) ein.
Manfred Stohl hat für die Akropolis-Rallye "realistisch betrachtet" einen Podestplatz angesteuert, geendet hat das steinige Abenteuer für den Wiener mit einem Ausfall am Sonntag und einem gewerteten 17. Platz. In der ersten SP der dritten Etappe rollte sich der Peugeot 307 dreimal, Stohl und Beifahrerin Ilka Minor blieben unverletzt. Das OMV Peugeot Norway WRT schrieb mit Henning Solberg als Fünftplatzierten an. Das Red Bull Skoda Team brachte beide Autos ins Ziel, Harri Rovanperä klassierte sich als 12., Andreas Aigner kam auf Rang 14.
Wegen Überschreitung der Servicezeit hatte Stohl am Samstag 1:30 Minuten Strafzeit bekommen und war von Rang fünf auf sieben abgerutscht. Der Ärger darüber verstaubte Sonntagfrüh im Sande, denn nach acht SP-Kilometern war es vorbei: "Auf der Verbindungsetappe hatten wir bereits ein Problem mit Ladedruckabfall und Ölverlust am Peugeot 307. Ich habe geschaut, was ich machen kann. Wir wollten die beiden SP durchrollen und dann im Service richten was geht. In einer steilen Linkskurve sind wir nach einem Ausrutscher bergab gerollt und auf der Straße liegen geblieben." Sein Resümee? "In den ersten drei Prüfungen am Freitag war ich mit dem Auto nicht hundertprozentig zufrieden, der Samstag war okay."
Ohne Ausfall kam RB in Griechenland über die Runden. "Wir hatten keine großen technischen Probleme, aber jede Menge Patschen", brachte es Teamchef Raimund Baumschlager auf den Punkt. Der Sonntag hatte schlecht begonnen, Aigner legte in der ersten Prüfung den Boliden auf die Beifahrerseite und verlor drei Minuten. "Es war in einer Linkskurve, wir haben außen eine Spurrinne getroffen und eingefädelt, im Zeitlupentempo bei 10 km/h hat es uns aufgestellt. Zuschauer haben das Auto dann aufgerichtet", erzählte Aigner. Mit abgerissener Stoßstange vorne war er noch glimpflich davon gekommen. Nichts riskieren und das Ziel sehen, lautete für die restlichen SP die Teamorder.
Als "Wellental" bezeichnete der Grippe geschwächte 21-Jährige den Verlauf die Akropolis-Rallye: "Es gab auch positive Sachen, der Fight mit Wilson zum Beispiel. Mit dem Setup war ich zufrieden, die Zeiten passen auch ganz gut."
Die WM pausiert nun fast zwei Monate bis zur OMV-Rallye in Deutschland - zu lange für Aigner: "Ich bräuchte das nicht. Für mich steht Konditionstraining auf dem Programm - und hoffentlich auch ein Test." Stohl freut sich hingegen über die Auszeit: "Schön", sagte er. Zu Hause warten die Firma, vor allem aber das erst eine Woche alte Töchterchen Hanna und Lebensgefährtin Michaela.
(apa/red)
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