Sonntag, 4. Juni 2006

Gedenken an Opfer von 4. Juni 1989: Chinas
Behörden verhindern erneut Demo in Peking

  • Frau mit Transparent von Polizisten festgenommen
  • Hongkong: Zehntausende gedenken Massaker-Opfern

17 Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung haben am Sonntag zahlreiche Chinesen der Opfer gedacht. Der Platz des Himmlischen Friedens, wo Soldaten am 4. Juni 1989 ein Massaker unter Demonstranten anrichteten, stand unterscharfer Beobachtung der Sicherheitskräfte. Als eine Frau versuchte, ein Transparent zu entrollen, schritten Polizisten ein. Die Frau wurde festgenommen.

Die chinesischen Behörden unterbinden Jahr für Jahr Veranstaltungen zur Erinnerung an das Massaker auf dem Tiananmen- Platz. In der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong, die weiter Sonderrechte genießt, war am Abend eine Mahnwache geplant. In den vergangenen Jahren folgten dem Aufruf jeweils tausende Menschen.

Die Ereignisse vom Juni 1989 sind für die Pekinger Führung immer noch ein äußerst sensibles Thema. Der Militäreinsatz wird offiziell als Niederschlagung konterrevolutionärer Unruhen bezeichnet. Die genaue Zahl der Toten ist bis heute nicht bekannt. Hunderte, wenn nicht Tausende verloren ihr Leben, als die Regierung Panzer und Truppen auf den Tiananmen-Platz schickte, der einen Monat lang von studentischen Anhängern der Demokratiebewegung besetzt gehalten worden war.

Mehrere zehntausend Menschen demonstrierten am Sonntag in Hongkong. Die Organisatoren sprachen von 44.000 Teilnehmern einer Nachtwache zum Gedenken an das Massaker. Die Veranstaltung im Hongkonger Victoria Park war die einzige derartige Demonstration auf chinesischem Boden. Die ehemalige britische Kronkolonie hat auch nach der Rückkehr ins chinesische Staatsgebiet 1997 politische Freiheiten behalten, die im übrigen Herrschaftsbereich nicht gelten. (apa)

4.6.2006 18:08