Iran droht im Atomstreit mit Energiekrise: Warnung treibt Öl-Preis sofort in die Höhe
- Iran: Energieversorgung bei US-Angriff "gefährdet"
- Rice: Drohungen nicht zu viel Bedeutung beimessen
·Hintergrund-Info:
Die Straße von Hormus
Strategisches Nadelöhr am Persischen Golf
·Der IAEO-Bericht zum Iran im Wortlaut
Atombehörde fordert Klarstellung von Teheran
·Chronik des Streits um Atomprogramm
IAEO, EU und USA seit drei Jahren damit befasst
·Alle Streitpunkte zwischen IAEO & Iran
Angst vor Atomwaffen-plänen Teherans wächst
Der Iran hat für den Fall eines amerikanischen Militärschlags mit einer weltweiten Energiekrise gedroht. Sollten die USA sein Land angreifen, wären die Öllieferungen aus der Region ernsthaft gefährdet, sagte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei. US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, derartigen Drohungen dürfe nicht zu viel Bedeutung zugemessen werden. Dennoch stieg der Ölpreis als Reaktion auf Khameneis Äußerungen an. EU-Chefdiplomat Javier Solana wird Diplomaten zufolge der iranischen Regierung das neue Angebot im Atomstreit unterbreiten.
Khamenei sagte am Sonntag im staatlichen Rundfunk, die USA und ihre Verbündeten wären nicht in der Lage, alle Schiffe in der Straße von Hormus zu schützen, durch die ein Großteil der Öllieferungen in den Westen gelangt. Der Iran ist der viertgrößte Ölexporteur der Welt. Bisher hatten iranische Regierungsvertreter stets betont, sie wollten das Öl nicht als Waffe im Atomstreit einsetzen.
Der Vorwurf, Teheran strebe nach einer Atombombe, sei "eine blanke Lüge", sagte Khamenei. Zugleich betonte er, von seinem Land werde kein Krieg ausgehen: "Wir haben keinen Nachbarn bedroht". Der Iran habe das Recht, Energie aus Kernkraft zu gewinnen. Wenn das Land darauf verzichte, müsse es "einige wenige westliche und europäische Länder in den nächsten 20 Jahren um Energie anbetteln".
Khameneis Drohung, die Öllieferungen zu drosseln, führte am Montag zu einem neuerlichen Anstieg des Ölpreises. In Singapur verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) leichten Rohöls im frühen Handel um rund einen Dollar auf 73,35 Dollar. In London und New York wurden Anstiege von rund 1,50 Dollar pro Barrel gemeldet. Auch die Preise für Benzin, Gas und Heizöl legten auf den internationalen Rohstoffmärkten zu.
Rice wies Khameneis Warnungen zurück. Der Iran sei schließlich vom Ölhandel abhängig, sagte die US-Außenministerin im US-Sender Fox News. Weiter erklärte Rice, sie erwarte von Teheran eine zügige Antwort auf das jüngste Angebot im Atomstreit. Eine Klärung des Konflikts müsse innerhalb von Wochen, nicht von Monaten erreicht werden.
Solana reist nach Teheran
Der EU-Außenpolitikbeauftragte Solana ist unterdessen in der iranischen Hauptstadt Teheran eingetroffen. Er will am Dienstag der Führung Einzelheiten des jüngsten, in Wien vereinbarten Vorschlags der internationalen Gemeinschaft zur Lösung des Atomkonflikts überbringen.
Die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - sowie Deutschland haben Teheran Anreize für einen Stopp der Urananreicherung in Aussicht gestellt. Einzelheiten des Angebots waren zunächst nicht bekannt. Rice sprach von einer "großen Chance" für den Iran.
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad sagte am Samstag, man werde sich mit der Prüfung des Angebots Zeit lassen. "Wir streben Verhandlungen an, aber faire und gerechte Verhandlungen. Es darf keine Bedingungen geben", sagte Ahmadinejad in einer Rede in Teheran. In einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Kofi Annan bekräftigte er das Festhalten am Atomprogramm. Zuvor hatte Außenminister Manutshehr Mottaki im Falle von Verhandlungen ohne Vorbedingungen eine baldige Lösung des Atomstreits in Aussicht gestellt. "Bei gutem Willen ist ein Durchbruch möglich", sagte Mottaki am Samstag vor Journalisten.
Die USA und andere westliche Länder verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Urananreicherung gilt vielen dabei als Indiz für Ambitionen des Landes auf Atomwaffen, da das entsprechende Programm vom Iran jahrelang verheimlicht wurde.
(apa/red)
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