Montag, 5. Juni 2006

Sozialdemokrat gewinnt Präsidentenwahl
in Peru: Linksnationalisten geschlagen

  • Klarer Sieg: Garcia lässt Humala "links" liegen
  • Absage an Chavez: "Unsere Unabhängigkeit gerettet"

In Peru hat sich mit dem Sieg des früheren Amtsinhabers Alan Garcia bei der Präsidentenwahl der Linkstrend in Lateinamerika fortgesetzt. Nach der Auszählung von knapp vier Fünftel der am Sonntag abgegebenen Stimmen der Stichwahl entfielen auf den Mitte-Links-Politiker Garcia 55,5 Prozent. Sein Rivale, der Linksnationalist Ollanta Humala, räumte die Niederlage ein.

Garcia hatte den Sieg schon vor Bekanntwerden der offiziellen Ergebnisse für sich reklamiert. "Wir danken dem Volk Perus, das uns eine Stimmenmehrheit gegeben hat", rief er am Abend vor mehreren Tausend jubelnden Anhängern in Lima. Bei der Ansprache grenzte sich Garcia zudem scharf von dem als Linkspopulist geltenden venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ab. Chavez, der als Vorreiter einer Allianz linker Regierungen in Lateinamerika gilt, hatte sich zuletzt massiv für Humala eingesetzt, was zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Venezuela und Peru geführt hatte. Chavez sei "der einzige Besiegte", betonte Garcia.

Humala galt als Favorit der Hälfte der Peruaner, die in Armut leben. Er war in den ländlichen Gebieten der Anden erfolgreich. Er hatte der dortigen indianischen Bevölkerung mehr Land versprochen und wollte dazu - wie Evo Morales in Bolivien - eine Umverteilung der Besitztümer einleiten. Der 57-jährige Anwalt Garcia wurde hingegen von der Wirtschaft favorisiert. Er hatte im Wahlkampf angekündigt, das Budgetdefizit bei einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts halten zu wollen.

"Heute hat Peru eine Botschaft der nationalen Souveränität ausgesandt und Versuche von Hugo Chavez vereitelt, uns in die expandierende Strategie seines militärischen und rückwärts gewandten Modells einzubeziehen", sagte Garcia, der bei der Kundgebung mit einem weißen Taschentuch winkte - ein traditionelles Zeichen des Sieges seiner Partei Apra.

Die Anhänger Garcias feuerten zur Feier des neuen Präsidenten Feuerwerkskörper ab, bei zahlreichen Peruanern machte sich jedoch Katerstimmung breit. "Es ist ein trauriger Tag. Keiner der beiden ist ein guter Kandidat", sagte die 45 Jahre alte Psychologin Ida Blanc nach ihrer Stimmabgabe für Garcia in einem gehobeneren Viertel Limas. Die letzte, von 1985 bis 1990 dauernde Amtszeit Garcias endete mit einer schweren Wirtschaftskrise des südamerikanischen Landes, Rebellen-Anschlägen und dem Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen.

Im Wahlkampf hatte Garcia versprochen, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse am Sonntagabend sagte er zu tausenden Anhängern vor der Apra-Zentrale: "Wir müssen heute Nacht über unsere früheren Irrtümer nachdenken, über all unsere Fehler." Garcia kündigte auch an, gegen die weit verbreitete Korruption im Staatsapparat vorgehen zu wollen.

Ministerpräsident Pedro Pablo Kuczynski begrüßte den Sieg des Sozialdemokraten. "Es ist eine gute Sache", sagte er im peruanischen Radio. Die Bürger hätten für eine Fortsetzung der Wirtschaftspolitik des scheidenden Präsidenten Alejandro Toledo gestimmt. Toledo hatte sich im Jahr 2001 bei der Präsidentenwahl gegen Garcia durchgesetzt. Toledo durfte nach fünf Jahren im Amt nicht wieder kandidieren.

Humala, dessen Partei die stärkste Fraktion in einem zersplitterten Parlament stellt, gestand seine Niederlage ein. "Wir erkennen das Ergebnis an und wir zollen unserem Gegner Alan Garcia unseren Respekt", sagte Humala auf einer Pressekonferenz in Lima. Der 43-Jährige bekräftigte jedoch, an seiner im Wahlkampf versprochenen nationalistischen Revolution festhalten zu wollen. Damit wollte er vor allem den 49 Prozent der insgesamt 27 Millionen Peruaner helfen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. So wollte er gegen die Interessen ausländischer Firmen im Land vorgehen und mehr Gewinne der Bergbaufirmen abschöpfen.

(apa)

5.6.2006 12:05