Freitag, 2. Juni 2006

Zukunftsszenario: USA verlieren bis 2020 alleinigen Weltmachtstatus - China steigt auf

  • EU steigt im Weltmacht-Ranking auf den 4. Platz auf
  • Militärische Macht spielt künftig untergeordnete Rolle

Die Bevölkerung von neun Staaten erwartet, dass die USA ihren alleinigen Weltmachtstatus bis 2020 verlieren. Eine ebenso wichtige weltpolitische Rolle wie die USA werde dann China spielen, heißt es in der in Berlin vorgestellten Umfrage. Der Untersuchung für die Bertelsmann-Stiftung zufolge wird die Europäische Union 2020 im Weltmacht-Ranking den vierten Platz nach Japan einnehmen. Deutschland falle vom achten auf den neunten Platz.

Die Emnid-Studie untersuchte die Wahrnehmung von Macht und Weltmachtpolitik in der Bevölkerung der fünf ständigen Mitgliedstaaten des UNO-Sicherheitsrates (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien), der Schwellenländern Indien und Brasilien sowie der Exportnationen Japan und Deutschland.

81 Prozent der Befragten sehen die USA gegenwärtig als unangefochtene Weltmacht. Dieser Vorsprung schmelze bis 2020 auf 57 Prozent, während sich China im selben Zeitraum um zehn Prozentpunkte auf 55 Prozent verbessere. Das größte Vertrauen in die eigene zukünftige Stärke haben der Studie zufolge die Inder und Chinesen.

Entscheidend für den Weltmachtstatus eines Landes sind aus Sicht der Befragten wirtschaftliche Stärke, politische Stabilität sowie Bildung und Forschung. Die militärische Macht spiele hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Den Frieden in der Welt sollen nach dem Wunsch von 51 Prozent der Befragten die USA sichern. Nur 38 Prozent sehen die Vereinten Nationen in dieser Rolle.

Die Mehrheit der mehr als 10.000 zwischen Oktober und Dezember 2005 befragten Frauen und Männer erwarte keine gemeinsame Weltagenda, sie gehe vielmehr von einer Weltordnung ohne einen gemeinsamen Ordnungsrahmen aus. Bei der Bewältigung von Herausforderungen wie Terrorismus, Armut und Klimawandel dominieren bei den Befragten nationale Sichtweisen.

Die EU habe außerhalb ihrer Mitgliedstaaten kaum Befürworter für einen Bedeutungszuwachs. "Die Europäer müssen mehr in strategische Konsensbildung investieren", sagte Josef Jannig von der Bertelsmann-Stiftung. (apa)

2.6.2006 17:15