Freitag, 2. Juni 2006

"Furchtbares Verbrechen": Iraks Premier fordert von USA Entschuldigung für Haditha

  • Marineinfanteristen erschossen angeblich Zivilisten
  • PLUS: Video zeigt angeblich weiteres US-Massaker!

Die irakische Regierung hat die mutmaßliche Tötung von Zivilpersonen durch US-Marineinfanteristen in Haditha im vergangenen November verurteilt. Zugleich forderte das Kabinett in einer am Abend veröffentlichten Erklärung eine Bestrafung der Verantwortlichen, eine "großzügige finanzielle Entschädigung" der Familien der Opfer und eine offizielle Entschuldigung nach Abschluss der Untersuchungen. Bei der "Tragödie" in Haditha seien die Regeln der Gerechtigkeit und der Menschenrechte verletzt worden, erklärte das Kabinett.

Zuvor hatte die Regierung eine eigene Untersuchung der Vorgänge in Haditha angekündigt, die auch andere Vorfälle im Irak einschließen soll, an denen US-Soldaten beteiligt waren. Ministerpräsident Nuri al-Maliki bezeichnete den Vorfall in Haditha als "ein furchtbares Verbrechen".

US-Militärs ermitteln selbst
Die US-Streitkräfte haben mindestens zwei eigene Ermittlungen eingeleitet. US-Präsident George W. Bush sicherte die vollständige Offenlegung der Untersuchungsergebnisse zu. "Wenn es ein Fehlverhalten gibt, werden Leute zur Rechenschaft gezogen", sagte er nach einer Kabinettssitzung.

Die Hinweise auf ein Massaker von US-Marineinfanteristen in Haditha verdichten sich unterdessen. US-Ermittler kommen in einem vorläufigen Bericht zu dem Schluss, dass mehrere Offiziere ihren Vorgesetzten falsche Angaben über den Vorfall machten. Das meldete die Zeitung "Washington Post". In einem von mehreren Fernsehsendern ausgestrahlten Video schilderte ein zwölfjähriges Mädchen das Vorgehen von US-Marineinfanteristen, die mehr als zwei Dutzend Zivilpersonen getötet haben sollen.

Weiteres US-Massaker?
Der britische Sender BBC hat ein Video ausgestrahlt, das nach irakischen Polizeiangaben auf ein weiteres mögliches Massaker durch US-Soldaten hindeutet. Es handelt sich demnach um Bilder vom 15. März aus dem Ort Ishaki rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad, auf denen elf getötete Zivilisten zu sehen sind, unter ihnen fünf Kinder und vier Frauen.

Die BBC erhielt das Video nach eigenen Angaben von einer sunnitischen Moslemgruppe, die gegen die US-Streitkräfte sind. Die Aufnahmen widersprächen der US-Version der Ereignisse. Ein Sprecher der US-Streitkräfte im Irak sagte laut BBC, der Fall werde untersucht.

US-Behörden hatten laut BBC angegeben, dass bei einem Schusswechsel, in den US-Soldaten verwickelt waren, ein Haus eingestürzt sei. Dabei seien vier Menschen getötet worden, zwei Frauen, ein Kind und ein mutmaßlicher Extremist. In einem Bericht der irakischen Polizei hieß es dagegen, die US-Soldaten hätten die Menschen zusammengetrieben und willkürlich elf von ihnen erschossen, unter ihnen fünf Kinder und vier Frauen. Laut BBC weisen die Toten Schussverletzungen auf. Die BBC hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise darauf, dass die Video-Aufnahmen gefälscht seien könnten.

Die USA stehen bereits wegen der Affäre um das mutmaßliche Massaker von Haditha in der Kritik. Im November sollen US- Marineinfanteristen 24 wehrlose Iraker getötet haben. Die betroffenen Soldaten sollen im Anschluss bewusst falsche Angaben gemacht haben.

(apa/red)

2.6.2006 08:00