USA geraten unter Druck: Neue Hinweise
auf US-Massaker an Zivilisten in Haditha
- Offiziere machten Vorgesetzten falsche Angaben
- Schwangere auf dem Weg ins Spital erschossen
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Die USA geraten wegen eines mutmaßlichen Massakers amerikanischer Marineinfanteristen an irakischen Zivilpersonen in Haditha immer mehr unter Druck: Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte erneut Übergriffe von Koalitionstruppen und kündigte Gespräche mit den US-Streitkräften über Regeln bei Einsätzen an. Der Ministerausschuss für Sicherheit werde sich mit der Angelegenheit befassen, sagte Maliki.
Die Hinweise auf ein Massaker von US-Marineinfanteristen in Haditha verdichten sich unterdessen. US-Ermittler kommen in einem vorläufigen Bericht zu dem Schluss, dass mehrere Offiziere ihren Vorgesetzten falsche Angaben über den Vorfall im vergangenen November machten. Das meldete die Zeitung "Washington Post" auf ihrer Web-Site am Mittwochabend.
In der Affäre um das mutmaßliche Massaker an irakischen Zivilisten in Haditha haben die betroffenen US-Soldaten offenbar bewusst falsche Angaben gemacht. So lautet ein Fazit der dreimonatigen Armee-Untersuchung des Falls, wie die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen Armeevertreter berichtete. Ein Unteroffizier der US-Marineinfanterie belog demnach seinerzeit seinen Vorgesetzten, indem er angab, 15 Zivilisten wären durch eine am Straßenrand deponierte Bombe getötet worden. Neun weitere Getötete habe er zudem fälschlich als aufständische Kämpfer bezeichnet. Von einem bewussten Vertuschen des Vorfalls werde in dem Bericht dennoch nicht die Rede sein.
Bush und Rice um Schadensbegrenzung bemüht
Mit dem Versuch der raschen Schadensbegrenzung traten US-Präsident George W. Bush und Außenministerin Condoleezza Rice dem Vorwurf der Vertuschung entgegen. Es wäre ein fürchterlicher Schandfleck für die Vereinigten Staaten, wenn so etwas geschehen wäre, sagte Rice dem US-Nachrichtensender CNN. Sollten die Vorwürfe bewiesen werden, dann würden die Schuldigen bestraft. "Das ist die Art, wie Demokratien auf solche Umstände reagieren", sagte sie. Rice wie Bush wiesen darauf hin, dass die übergroße Mehrheit der US-Armeeangehörigen im Irak ehrenhaft diene.
Bei der "Washington Post" hieß es unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, es gebe Hinweise auf nicht provozierte Morde durch die Marineinfanteristen. Die von den Offizieren darüber gemachten Angaben seien von ihren Vorgesetzten nicht ausreichend überprüft worden.
Der Untersuchungsbericht kommt nach Angaben der "Washington Post" zu dem Schluss, dass die Ausbildung der US-Truppen für den Irak mangelhaft war. Darüber hinaus soll ein Marineinfanterie-General, der seinerzeit das Kommando im Irak führte, vorerst nicht zum Generalleutnant befördert werden. In einer Art Grundkurs will das Pentagon außerdem alle Angehörigen der Koalitionstruppen im professionellen und humanen Umgang schulen und dabei vor allem Wert auf die Behandlung der Zivilbevölkerung legen.
Anschuldigungen mit Folgen
General Carter Ham vom US-Generalstab warnte vor negativen Folgen nach den Massaker-Vorwürfen. Anschuldigungen wie diese, egal ob sie von Fakten untermauert würden, hätten Folgen für den Einsatz der US-Streitkräfte. "Es kann negative Auswirkungen geben, und deshalb ist es sehr wichtig, die Fakten klarzustellen", sagte Ham. Die US-Streitkräfte und die irakischen Sicherheitskräfte hingen sehr stark von der Unterstützung der Iraker ab. Alles, was diese Zusammenarbeit schwäche, sei nicht hilfreich, sagte Ham.
In einem Videofilm berichtete unterdessen die zwölfjährige Irakerin Safa Junis über das Vorgehen von US-Marineinfanteristen am 19. November 2005 in Haditha. Sie ist eine von wenigen Überlebenden des Angriffs, bei dem irakischen Angaben zufolge 24 unbewaffnete Zivilpersonen getötet wurden. "Die Amerikaner klopften an die Tür", berichtet das Mädchen in dem Video. "Mein Vater wollte öffnen, sie haben ihn durch die Tür erschossen. Nachdem sie die Tür öffneten, haben sie nochmal auf ihn geschossen." Die Marineinfanteristen hätten auch ihre Mutter und ihre vier Geschwister erschossen. Sie habe nur überlebt, weil sie sich zwischen den Leichen ihrer Familie tot gestellt habe.
Schwangere, Mutter und Kind erschossen
Amerikanische Soldaten haben im Irak indes eine schwangere Frau sowie eine junge Mutter mit ihrem Baby getötet. Die irakische Polizei berichtete, in Samarra hätten US-Soldaten eine schwangere Irakerin, die gerade auf dem Weg zur Entbindung war, erschossen. Ihre Schwester, die mit im Fahrzeug saß, starb ebenfalls. Der Fahrer wurde verletzt.
Bush kündigt Aufklärung an
In der Affäre hat US-Präsident Bush eine umfassende Aufklärung der Vorfälle und die vollständige Offenlegung der Untersuchung versprochen. Die Welt werde den "vollständigen" Bericht zu den Geschehnissen in Haditha zu Gesicht bekommen, sagte Bush am Donnerstag in Washington.
Die Vorwürfe beunruhigten ihn und die Armee zutiefst, sagte Bush nach einer Kabinettssitzung. Sollten sie zutreffen, würden die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen. Bush erinnerte daran, dass für das Militär "hohe moralische Standards" und strikte Regeln gälten.
Die US-Armee untersucht den Vorfall. Der Abschlussbericht soll bis zum Wochenende ranghohen Kommandanten vorgelegt werden, wie die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen Armeevertreter berichtete.
(apa/red)
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