Samstag, 3. Juni 2006

UNO-Aids-Konferenz ist beendet: Keine Einigung auf konkrete Finanzzusage

  • Bis zum Jahr 2010 werden 18 Milliarden Euro benötigt

Die UNO-Aids-Konferenz in New York ist ohne feste Finanzzusagen zu Ende gegangen. Nach dreitägigen Beratungen hieß es in der Abschlusserklärung lediglich, dass bis zum Jahr 2010 umgerechnet knapp 23 Milliarden Dollar (18 Mrd. Euro) jährlich im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit benötigt würden. Das sind fast drei Mal so viel wie die 6,4 Milliarden Euro, die im vergangenen Jahr dafür ausgegeben wurden.

Die 151 Teilnehmerstaaten verpflichteten sich allerdings nicht auf einen konkreten Zeitrahmen für die Erhöhung der Finanzmittel. Sie sagten aber zu, zusätzliche Ressourcen frei machen zu wollen, um allen Aids-Kranken bis 2010 eine Behandlung zu ermöglichen. Das "Ziel des universellen Zugangs zur Vorsorge, Behandlung, Pflege und Unterstützung" von HIV-Infizierten soll so weit wie möglich erfüllt werden.

Zudem machten die Staaten auf die wachsende Aids-Verbreitung unter Frauen aufmerksam und hielten in der Erklärung das persönliche Recht von Frauen fest, sich gegen eine Ansteckung zu schützen. Dazu wurde in dem Dokument neben sexueller Enthaltsamkeit ausdrücklich das Benutzen von Kondomen erwähnt. Auch die Verteilung steriler Spritzen, um das Ansteckungsrisiko bei Drogenabhängigen zu verringern, wird gefordert. Zudem verurteilen die Staaten sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und jede andere Form von sexueller Gewalt, wie auch den Menschenhandel mit Frauen und Kindern.

Zwar ist die Erklärung nicht bindend, doch dient sie vielen Regierungen als Grundlage für ihre Anti-Aids-Programme und stärkt die Einflussmöglichkeiten von Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen. Für viele von ihnen fiel die Erklärung dann auch als positiver aus, als sie es erwartet hatten. Schließlich hätten sich viele moslemische Staaten massiv gegen eine Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit gewehrt. "Ich weiß, dass keiner von euch all das bekommen hat, was er wollte", sagte der Vorsitzende der UNO-Generalversammlung, Jan Eliasson, zum Abschluss der Sitzung. Dank des Drucks von Nichtregierungsorganisationen sei die Erklärung aber "stärker" geworden.

Die Ausbreitung von Aids hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen 2005 verlangsamt. Die Aids-Behörde der UNO warnte am Dienstag bei der Vorlage ihres Jahresberichts 2005 aber vor verfrühtem Optimismus und verwies auf zahlreiche Probleme vor allem in Afrika, die es bei der Behandlung und der Vorbeugung von Aids gebe. Dort würden sich inzwischen mehr Frauen als Männer an dem HI-Virus anstecken, das die Krankheit auslöst. Weltweit sind etwa 40 Millionen Menschen infiziert. Seit 1981 sind rund 25 Millionen Menschen an Aids gestorben. Derzeit sind es etwa 8000 Menschen am Tag. UNO-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete HIV/Aids in einer Rede vor der UNO-Vollversammlung am Freitag als "die größte Herausforderung dieser Generation".
(apa)

3.6.2006 09:02