Montag, 29. Mai 2006

Bombenterror im Irak: Wieder dutzende Tote bei Anschlägen in Bagdad und Basra

  • US-Abgeordneter: Pentagon vertuscht Massaker

Bombenanschlägen haben am Montag im Irak serienweise zahlreiche Menschen in den Tod gerissen oder verletzt. Beim Anschlag auf einen Bus sind in Bagdad nach Medienberichten mindestens dreißig Menschen getötet worden. Bei einem Anschlag auf ein US-Militärfahrzeug wurden fünf irakische Passanten getötet. Der demokratische US-Abgeordnete John Murtha hat unterdessen dem US-Verteidigungsministerium die Vertuschung eines von amerikanischen Soldaten verübten Massakers in der westirakischen Stadt Haditha vorgeworfen. Über eine Woche nach der Bildung der neuen Regierung hat der Irak nach wie vor keinen Verteidigungs- und Innenminister. Das Parlament war am Sonntag in Bagdad wieder zusammengetreten, konnte sich jedoch auf keine Kandidaten für die beiden Schlüsselressorts einigen.

Bei einem Bombenanschlag sind zwei britische Soldaten getötet worden. Die beiden seien am Sonntagabend in der südirakischen Stadt Basra ums Leben gekommen, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Zwei weitere Soldaten wurden leicht verletzt. Zu Einzelheiten wollte sich das Ministerium nicht näher äußern. Damit wurden seit Beginn des Irak-Feldzugs vor mehr als drei Jahren 113 britische Soldaten getötet. Großbritannien hat im südlichen Irak derzeit rund 8000 Mann im Einsatz.

Nahe Basra wurden zehn irakische Arbeiter getötet, die in einem öffentlichen Bus auf dem Weg zur Arbeit waren. Zwölf weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Mindestens sieben Menschen kostete die Explosion einer Autobombe vor einem Markt für Second-Hand-Kleidung in Bagdad das Leben, mindestens 20 wurden verletzt. Bei der Detonation einer in einem Fahrzeug versteckten Bombe nahe der sunnitischen Abu-Hanifa-Moschee wurden neun Iraker getötet und etwa 25 verletzt, wie Krankenhausärzte berichteten. Weiteren Sprengstoffanschlägen in Bagdad fielen nach Polizeiangaben drei Polizisten und vier Zivilpersonen zum Opfer. Vier weitere Polizisten wurden in Bagdad und Amara auf offener Straße erschossen.

Im Prozess gegen den früheren Präsidenten Saddam Hussein bot die Verteidigung am Montag Zeugen auf, die der damaligen Justiz im Fall der Todesurteile von Dujail ein ausgewogenes Verfahren bescheinigten. Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte müssen sich wegen des Schiiten-Massakers von Dujail verantworten, bei dem 1982 insgesamt 148 Menschen getötet wurden. Die Anklage geht von einem Scheinprozess aus.

Das irakische Militär hat nach eigenen Angaben einen wichtigen Mitarbeiter des Al-Kaida-Chefs im Irak, Abu Mussab al-Zarqawi, gefasst. "Einheiten des irakischen Heeres haben drei Terroristen der Al-Kaida festgenommen", sagte ein Sprecher des irakischen Verteidigungsministeriums am Montag in Bagdad der Nachrichtenagentur Reuters. Darunter sei Kassim al-Ani. "Er gehört zu den Meistgesuchten", so der Sprecher.

Wie die "Washington Post" am Montag berichtete, sagte der Abgeordnete und Vietnamveteran Murtha in Fernsehinterviews: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Militärs versucht haben, die Affäre (Haditha) zu vertuschen." Ein Sprecher des Marine Corps lehnte nach Angaben der Zeitung einen Kommentar mit dem Hinweis ab, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. US-Medien berichteten in den vergangenen Wochen mehrfach unter Berufung auf namentlich nicht genannte Armeequellen, dass das US- Militär seit Jahresbeginn die blutigen Ereignisse vom 19. November in Haditha untersucht, wo mindestens 24 irakische Zivilisten - darunter mehrere Kinder - niedergemetzelt worden waren. Die "New York Times" hatte einen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums zitiert, möglicherweise könnten US-Marineinfanteristen wegen Mordes angeklagt werden.

(apa/red)

29.5.2006 15:11