Donnerstag, 1. Juni 2006

Hühner dürfen wieder ins Freie: Stallpflicht wird heute endgültig wieder aufgehoben

  • Seit 12. 5 galt Maßnahme nur noch in Risikogebieten
  • Bisher letzter H5N1-Fall am 26. April nachgewiesen

Heute wird die Stallpflicht auch in den letzten zuvor noch als Risikogebiete eingestuften Regionen in Österreich aufgehoben. "Diese Entscheidung habe ich nach Beratungen mit meinen Experten getroffen", sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V). Der bisher letzte positive Nachweis des auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus bei einem Wildvogel erfolgte in Österreich am 26. April.

Im Mai wurden vorwiegend in Risikogebieten 570 Kotproben von Schwänen, Enten und Gänsen gezogen und untersucht. "Bei keiner wurde H5N1 nachgewiesen", berichtete die Ressortchefin. Rauch-Kallat betonte jedoch: "Wir müssen trotzdem wachsam bleiben." In Dänemark sei es zum Beispiel sechs Wochen nach dem letzten Auftreten eines H5N1-Falls bei einem Wildvogel zu einem Ausbruch in einem Hausgeflügelbestand gekommen.

Maßnahmen wie die Tränkung und Fütterung ausschließlich im Stall, die Abzäunung von offenen Wasserflächen in der unmittelbaren Nähe zu Ausläufen oder die getrennte Haltung von Hühnern und Gänsen bleiben unbefristet in Kraft, betonte die Ministerin. "Wir versuchen, einen vernünftigen Mittelweg zwischen Vorsicht und Tierschutz zu gehen", sagte Rauch-Kallat.

Dass einige Geflügelhalter die Stallpflicht ignoriert haben, bezeichnete die Ministerin als "nicht fair gegenüber den anderen". Es handle sich um "Gesetzesbrüche", entsprechende Anzeigen seien erstattet worden. "Die Maßnahme wurde schließlich nicht aus Jux und Tollerei erlassen. Außerdem haben wir sichergestellt, dass die Vermarktung der Freilandhaltung trotz Stallpflicht gewährleistet blieb."

Die Experten hätten in den vergangenen Monaten "viel dazugelernt". Rauch-Kallat: "Man hat ja relativ wenig über H5N1 gewusst." Da das Virus wärmeempfindlich ist, sei im Sommer eher kein Ausbruch zu erwarten. "Wir müssen aber ab Herbst mit neuen Fällen bei Wildvögeln in Europa rechnen und in entsprechender Alarmbereitschaft bleiben", meinte die Ministerin. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen mit dem gesammelten Wissen weiterentwickelt werden.

Von 3.056 Proben 124 positiv auf H5N1 getestet
Insgesamt wurden in diesem Jahr im nationalen Referenzlabor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 3.056 Proben von verendeten Vögeln eingesandt. Bisher liegen von 2.899 Tieren Ergebnisse vor, bei 124 davon wurde H5N1 nachgewiesen. Die letzten Bestätigungen datieren vom 26. April, betroffen waren drei Schwäne.

Das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus trugen 81 Schwäne, 28 Enten, sechs Hühner, zwei Gänse, ein Blässhuhn, ein Reiher und eine Möwe sowie vier sonstige Wassergeflügel in sich. Kein einziger Falle wurde u.a. bei Singvögel (40 Proben untersucht), Wirtschaftsgeflügel (215 Proben) und Tauben (drei Proben) nachgewiesen.
(apa)

1.6.2006 07:08