Dienstag, 30. Mai 2006

ORF-Debatte: Gusenbauer sieht in Mück
einen "Haupttotengräber" der TV-Anstalt

  • Plattform "SOS ORF" präsentiert Lösungsansätze
  • "profil": 36 % glauben, ORF bevorzugt eine Partei

Die Plattform "SOS ORF" hat ihre Ziele für die Rettung des ORF präsentiert. Der ORF möge seinen öffentlich- rechtlichen Auftrag ernst nehmen und erfüllen, die Politik möge sich aus dem ORF heraus halten und den ORF in Ruhe lassen, erklärte "SOS ORF"-Sprecher Peter Huemer. Einen eigenen Kandidaten für die Wahl des ORF-Generaldirektors will man nicht aufstellen.

Die Plattform, die im Internet unter http://www.sos-orf.at Unterschriften für eine ORF-Petition sammelt, brachte es innerhalb kürzester Zeit auf Zehntausende Unterstützungserklärungen, darunter zahlreiche Prominente quer durch das gesellschaftliche Spektrum. "Wenn die Politik nicht im Stande ist, ein unabhängiges, öffentlich-rechtliches Fernsehen zu garantieren, dann muss die Zivilgesellschaft einspringen", erklärte die Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi.

Heftige Kritik am ORF gab es vom langjährigen ORF- Auslandskorrespondenten Paul Schulmeister. "Das Problem des ORF ist ein Problem der Qualität und des mangelnden Selbstanspruchs an sich selbst", sagte Schulmeister. Während etwa der ORF-Radiosender Ö1 ausgezeichnetes Programm liefere, befinde sich das ORF-Fernsehen "in einer ziemlich katastrophalen Lage". Mit "Dancing Stars" allein werde man nicht in die Geschichte eingehen.

SPÖ-Parteichef Gusenbauer hat indessen die Behauptung von ORF-TV-Chefredakteur Werner Mück zurückgewiesen, wonach er angekündigt habe, er werde alles tun, um Mück "aus dem ORF zu entfernen". Aussagen darüber, wer im ORF arbeite oder arbeiten soll, habe er nicht getätigt, unterstrich er am Rande einer Pressekonferenz. Daran, dass er den Chefredakteur für "einen der Haupttotengräber des ORF" hält, ließ Gusenbauer allerdings keinen Zweifel aufkommen.

(apa/red)

30.5.2006 15:55