Donnerstag, 25. Mai 2006

Nach Mega-Pleite 2001: Frühere Spitze
von US-Konzern Enron schuldig gesprochen

  • Lay und Skilling erwartet jahrzehntelange Haft
  • Tausende Jobs und Milliarden von Dollar verloren

Im Prozess um die spektakuläre Pleite des texanischen Energieriesens Enron sind die beiden früheren Firmenchefs am Donnerstag in den Hauptanklagepunkten schuldig gesprochen worden. Jeffrey Skilling und Kenneth Lay, die stets ihre Unschuld beteuert hatten, drohen lebenslange Haftstrafen.

Skilling und Lay hätten sich in ihrer Zeit als Führungskräfte Verschwörung und Betrug bei Enron zu Schulden kommen lassen, entschieden die zwölf Geschworenen. Zudem sah es die Jury als erwiesen an, dass sich Skilling auf Grund von Insider-Wissen über die finanzielle Misere des einst siebtgrößten US-Konzerns mit Aktienverkäufen persönlich bereichert hatte.

Über das Strafmaß in einem der größten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte wird später entschieden. Mit dem Schuldspruch der Geschworenen werden der 64-jährige Lay und der 52-jährige Skilling aber wohl den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen: Richter Simeon Lake kann die beiden Angeklagten für Jahrzehnte ins Gefängnis schicken. Lay wurde in allen sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen, womit ihm eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren droht. Skilling wurde in 19 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Damit droht ihm eine maximale Strafe von 185 Jahren Gefängnis. Skillings Anwalt kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen.

Die Jury aus acht Frauen und vier Männern hatte nach 15-wöchiger Verhandlungsdauer die Aussagen von mehr als 50 Zeugen abwiegen müssen, um über Schuld und Unschuld zu entscheiden. In einem Nebenverfahren war Lay zudem noch wegen illegaler Börsengeschäfte angeklagt. Auch hier wurde er schuldig gesprochen.

Lay und Skilling hatten in dem Prozess wiederholt ihre Unschuld beteuert und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchamef Andrew Fastow für die Bilanzierungstricks und Gewinnmanipulationen verantwortlich. Zudem gaben sie der Presse und Raubtierinvestoren eine Mitschuld am Niedergang ihrer Firma. Fastow war in dem dreieinhalb Monate dauernden Prozess als Hauptzeuge der Anklage aufgetreten und hatte seine ehemaligen Chefs dabei schwer belastet.

Nach dem Bankrott von Enron im Dezember 2001 verloren mehr als 4.000 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze. Milliarden von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter gingen verloren. Anleger mussten mit ansehen, wie ihre Enron-Aktien von einstmals fast 90 Dollar bis auf wenige Cent abstürzten.

Wegen der massiven Auswirkungen auf Angestellte und Anleger wurde Enron dabei über die Grenzen der USA hinaus zum Inbegriff von Wirtschaftskriminalität und unternehmerischer Arroganz. Die Wall Street war schockiert. Der Fall erregte aber auch deshalb großes Aufsehen, weil Lay als Förderer der Republikanischen Partei ein enger Freund von US-Präsident George W. Bush und dessen Familie in Texas war. Bush pflegte Lay mit dem Spitznamen "Kenny-Boy" zu rufen.

Die Enron-Pleite und zahlreiche weitere Bilanzskandale führten schließlich zu dem Sarbanes-Oxley-Gesetz, das strengere Bilanzierungsregeln und härtere Kontrollen für börsennotierte US-Unternehmen brachte.(apa/red)

25.5.2006 19:22