Entsteht bald größte Börse der Welt? NYSE prescht mit Angebot für Euronext vor
- Könnte 375 Millionen Dollar Umsatz machen
- Frankfurter Marktbetreiber bleibt ohne Gegenangebot
Die New York Stock Exchange (NYSE) hat der Euronext die Schaffung einer transatlantischen Börse vorgeschlagen und ist damit im Wettlauf mit der Deutschen Börse vorgeprescht. Der Frankfurter Marktbetreiber will zunächst kein Gegenangebot vorlegen.
Der neue Börsenriese mit dem Namen "NYSE Euronext" mit einer Marktkapitalisierung von 21 Mrd. Dollar (16,5 Mrd. Euro) solle seinen Sitz in New York haben, gab die NYSE am Montag bekannt. Sie rechnet mit Größenvorteilen bei Kosten und Umsätzen von 375 Mio. Dollar. Die Deutsche Börse erteilte einem konkurrierenden Angebot für die Euronext eine Absage. Es bleibe beim vorgelegten Vorschlag einer "Fusion unter Partnern". Der Aufsichtsrat der europäischen Mehrländerbörse will am Montag über beide Vorschläge beraten.
Nach der NYSE-Offerte sollen die Euronext-Aktionäre für jede Aktie 0,98 Papiere des neuen Unternehmens und 21,32 Euro in bar erhalten. Das entspreche einem Umtauschverhältnis von 1,4 neuen Aktien für jedes Euronext-Papier. Der Baranteil betrage 30 Prozent. Die NYSE-Aktionäre sollen für jede alte Aktie eine neue erhalten.
Die Leitung der neuen Gruppe solle als CEO NYSE-Chef John Thain übernehmen. Sein Stellvertreter solle Euronext-Chef Jean-Francois Theodore werden. Die Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Derivatebörse Liffe in London.
Die Deutsche Börse betonte, es bleibe bei dem in der vergangenen Woche detailliert vorgestellten Plan einer Fusion unter Partnern. Die Zahlung eines Aufschlags auf den Wert der deutlich kleineren Euronext sei nicht vorgesehen, teilte die Börse am Montag mit. Sie dementierte auch einen Bericht der "Financial Times", wonach sie bereit sei, in Aktien 90 Euro je Euronext-Papier zu zahlen. Man stehe mit der umworbenen Betreiberin der Börse in Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon sowie der Londoner Derivatebörse Euronext Liffe weiter in Kontakt.
Die Deutsche Börse hatte ihre Vorstellungen für ein Angebot an die Euronext am Freitag vorgestellt. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand der Betreibergesellschaft der Frankfurter Börse nicht ermächtigt, ein konkretes Übernahmeangebot für die deutlich kleinere Euronext vorzulegen, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats Reuters am Montag. "In der vergangenen Woche ist dazu alles gesagt worden", sagte er. (apa/red)
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