"Sand in Augen streuen hilft nichts": Hicke sieht nach ÖFB-Schlappe schwere Aufgabe
- Kroatien zeigte Team schonungslos Grenzen auf
- Harte Teamchef-Kritik an mangelnder Organisation
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Das österreichische Fußball-Nationalteam hat wieder einmal zu spüren bekommen, wie weit es im Moment von der europäischen Spitze entfernt ist. Der WM-Teilnehmer Kroatien zeigte der ÖFB-Auswahl bei seinem 4:1-Erfolg im Wiener Happel-Stadion schonunglos die Grenzen auf und bestätigte Teamchef Josef Hickersberger in seiner Ansicht, dass auf dem Weg zur Heim-EURO 2008 noch viel Arbeit und Geduld notwendig ist.
"Wir müssen derzeit zu Kenntnis nehmen, dass wir mit guten Nationalmannschaften nicht mithalten können. Da hilft es nichts, sich Sand in die Augen zu streuen. Nichts ist gefährlicher, als sich selbst etwas vorzumachen", analysierte Hickersberger am Tag danach. "Der Gegner war klar besser. Wir sollten in zwei Jahren ähnlich weit sein wie Kroatien, um unsere Ziele zu erreichen."
Hicke will Team weiterbilden
Trotz der deutlichen Unterlegenheit will der Teamchef auch in den künftigen Testspielen gegen hochkarätige Kontrahenten antreten. "Wir können von solchen Gegnern am meisten lernen, daher müssen wir weiterhin gegen starke Gegner spielen und uns weiterbilden."
Um gegen große Kaliber halbwegs zu bestehen, ist vor allem eine Steigerung in der Defensive erforderlich, wie auch Hickersberger weiß. "Die Viererkette hat nicht harmoniert und bei den Gegentoren Fehler gemacht." Die schwache Leistung von Martin Stranzl lag für "Hicke" in dessen Auftritt im russischen Cupfinale mit Spartak Moskau am vergangenen Samstag begründet ("Er wirkte körperlich und geistig nicht frisch"), Paul Scharner riet er, sich mehr auf die eigentlichen (Defensiv)-Aufgaben eines Verteidigers zu beschränken.
"Es gilt die Frage zu klären, ob Scharner und Stranzl in der Innenverteidigung gut zusammenpassen", rätselt Hickersberger, betonte aber, dass "beide fixer Bestandteil des Teams sind. In welcher Form sie der Mannschaft am besten helfen können, wird sich noch herausstellen."
Organisations-Probleme
Weiterer Kritikpunkt war die mangelnde Organisation vor allem nach dem Seitenwechsel. "In der zweiten Hälfte haben wir viel von dem kaputt gemacht, was in der ersten Hälfte gut ausgeschaut hat. Sehr negativ war, dass die Mannschaft im Bestreben, das Resultat zu verbessern, die Ordnung zeitweise völlig aufgelöst hat. Auch bei einem 1:4-Rückstand darf das nicht passieren", meinte der Coach und nahm in diesem Zusammenhang seine erfahrenen Akteure in die Pflicht. "Es liegt an den routinierten Spielern, die Jungen davor zu bewahren", meinte der Niederösterreicher.
Grundsätzlich positiv bewertete Hickersberger den Auftritt der drei Debütanten Marc Janko, Thomas Prager und Christoph Leitgeb (der vierte Neuling Christian Fuchs kam nur wenige Minuten zum Einsatz). "Mir hat imponiert, wie Janko gegen international anerkannte Verteidiger gespielt hat. Auch Prager hat mir gut gefallen. Er hat viele Zweikämpfe gewonnen und viel Spielstärke gezeigt."
Mandl kurz vor Spiel verletzt
Etwas differenzierter sah der Teamchef die Leistung von Leitgeb. "Er hat seine Nervosität lange nicht in den Griff bekommen. Er kann mehr, trotzdem bin ich mit ihm zufrieden", urteilte der 58-Jährige, der Stefan Lexa für sein Team-Comeback ein "Befriedigend" ausstellte und vermutet, dass der Treffer zum 1:4 aus einem Balaban-Freistoß bei "einem Helge Payer in Hochform" nicht gefallen wäre. Ursprünglich war geplant gewesen, den Rapid-Goalie in der Pause durch Thomas Mandl zu ersetzen, der Noch-Admiraner klagte jedoch unmittelbar vor dem Spiel über Adduktoren-Probleme.
Grund zur Freude hatte Hickersberger immerhin in Anbetracht der Leistung von Andreas Ivanschitz. Der Teamkapitän bot als "Freigeist" in seinem 20. Länderspiel die wohl beste Leistung im ÖFB-Trikot. "So stark habe ich ihn im Frühjahr bei Salzburg und im Herbst bei Rapid nicht gesehen", meinte Hickersberger.
Kroaten loben junges Team
Streicheleinheiten gab es auch für die Kollegen von Ivanschitz - und zwar von den Kroaten. "Ich bin trotz des Resultats von Österreich beeindruckt, weil einige Junge gezeigt haben, dass sie eine gute Zukunft vor sich haben. Ich bin hundertprozentig sicher, dass Hickersberger einen Weg finden wird, damit die Österreicher bei der EURO 2008 einen guten Fußball spielen werden", erklärte der kroatische Teamchef Zlatko Kranjcar, und Austria-Goalie Joey Didulica, der in der zweiten Hälfte zum Einsatz kam, ergänzte: "Die österreichische Mannschaft hat viel Potenzial."
Hickersberger wusste, wie diese Aussagen zu bewerten sind. "Hinter diesem Lob steckt bis zu einem gewissen Grad Höflichkeit. So viel Lob haben wir nicht verdient", sagte der ÖFB-Betreuer.
(apa/red)










