Sonntag, 28. Mai 2006

Bayern unter Wasser: Starke Regenfälle verwandeln kleine Bäche in reißende Flüsse

  • Ort in Oberfranken musste schon evakuiert werden
  • Katastrophenalarm im Landkreis Kulmbach ausgelöst

Heftige Regenfälle haben in Bayern die Flüsse anschwellen lassen und Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Vor allem in Oberfranken wurden in zahlreichen Gemeinden ganze Straßenzüge überflutet. Der Landkreis Kulmbach löste Katastrophenalarm aus. Dort wurde eine Evakuierung des Mainleuser Ortsteils Pölz mit rund 80 Einwohnern angeordnet, in letzter Minute aber doch nicht umgesetzt.

Im Landkreis Wunsiedel wurde die Trinkwasserversorgung für etwa 300 Haushalte vorübergehend unterbrochen. Etwa 60 Haushalte mussten zeitweise auch ohne Strom auskommen. Im oberbayerischen Landkreis Traunstein musste nach einem Erdrutsch eine Bundesstraße gesperrt werden. Für viele Seen in Südbayern bestand Sturmwarnung.

Schlimmstes Hochwasser seit 50 Jahren
Nach ersten Schätzungen des Kulmbacher Landrats Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) erreichen die Schäden Millionenhöhe. "Dies ist wohl das schlimmste Hochwasser seit 50 Jahren", sagte Landrat Söllner.

Evakuierungen an Weißem Main
Besonders vom Hochwasser bedroht war der Mainleuser Ortsteil Pölz mit rund 80 Einwohnern. Die zunächst beschlossene Evakuierung wurde zwar nicht umgesetzt. "Für Pölz können wir allerdings noch keine Entwarnung geben", sagte Söllner. Feuerwehrleute füllten zahlreiche Sandsäcke, um eine Überflutung des Ortes durch den Weißen Main zu verhindern. Falls notwendig, wäre es jederzeit möglich, die Bewohner von Pölz in Sicherheit zu bringen, sagte Söllner.

Auch Teile von Kulmbach wurden überflutet. Vereinzelt sickerte Wasser durch einen Damm. Das Hochwasser bedrängte auch die Landkreise Wunsiedel im Fichtelgebirge, Bayreuth, Lichtenfels und Kronach. Auf dem Gelände der Landesgartenschau in Marktredwitz stand der südliche Bereich mit Schwimmbad, Bühne und Liegewiese unter Wasser.

Kurstadt "regelrecht abgesoffen"
Die oberfränkische Kurstadt Bad Berneck im Landkreis Bayreuth war nach Angaben der Feuerwehr in der Nacht "regelrecht abgesoffen". Der Pegel der durch die Innenstadt fließenden Ölschnitz war nach starken Regenfällen binnen weniger Stunden um einen Meter gestiegen. Bis zu Mittag entspannte sich die Lage. Mehr als 100 Keller wurden ausgepumpt, mehrere Straßen blieben gesperrt.

In Tröstau (Landkreis Wunsiedel) überflutete die Röslau ganze Straßenzüge. Den Rettungskräften sei das Wasser bis zur Brust gestanden, berichtet Bürgermeister Heinz Martini (SPD). Am Sonntag in der Früh wurde wegen der hohen Verschmutzungsgefahr für rund 300 Haushalte die Trinkwasserversorgung unterbrochen. Das Gesundheitsamt empfahl, das Wasser bis auf weiteres vor dem Trinken abzukochen. In bis zu 60 Haushalten gab es für einige Stunden keinen Strom.

Auch in Arzberg spitzte sich die Lage dramatisch zu. Der Pegel der Röslau stieg auf 3,98 Meter und lag damit nur noch einen Zentimeter unter dem Höchststand von 1998. Normal ist ein Pegel von 1,30 Metern. Helfer schichteten Tausende von Sandsäcken auf. Aus dem unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg wurden ebenfalls Überschwemmungen gemeldet.

Regen hat aufgehört
Laut Hochwasserbericht des bayerischen Umweltministeriums sollte sich die Lage im Einzugsgebiet des Weißen und des Roten Mains im Landkreis Bayreuth entspannen, da es nicht mehr regne. Die Hochwasserwelle bewegt sich nun Main abwärts. Damit komme es vermutlich zu Überflutungen zwischen Lichtenfels und Bamberg. Für die kommenden Tage wird von den Meteorologen wechselhaftes und kaltes Wetter erwartet. Für die Hochwassergebiete sei deshalb nicht mit einer schnellen Entspannung der Lage zu rechnen. (apa/red)

28.5.2006 19:35