Samstag, 27. Mai 2006

USA überdenken Gesprächsverweigerung: Nachdenken über Verhandlungen mit Iran

  • Druck auf Washington wächst von Europa aus
  • Deutsche Kanzlerin ermuntert USA zu Gesprächen

Die USA überdenken laut der "New York Times" ihre jahrelange Verweigerung direkter Gespräche mit dem Iran. Außenministerin Rice habe eine Debatte darüber innerhalb ihres Hauses angestoßen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf europäische Quellen. Nach einem anderen Bericht hat auch Bundeskanzlerin Merkel die US-Regierung zu direkten Gesprächen mit Teheran ermuntert.

Wie die "New York Times" weiter berichtete, machten europäische Regierungen zunehmend Druck auf Washington, direkt mit Teheran zu verhandeln. Die europäischen Führungen machten kein Geheimnis aus ihrem Wunsch nach Gesprächen, und sei es nur, um zu zeigen, dass die Amerikaner bereit sind, eine weitere Konfrontation zu vermeiden, heißt es in dem Bericht. US-Präsident Bush, Vizepräsident Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld seien allerdings strikt dagegen.

Laut "Spiegel" hat Merkel den deutschen Wunsch nach einer aktiveren Rolle Washingtons bereits am vergangenen Donnerstag gegenüber US-Außenministerin Rice zu erkennen gegeben und sie zu direkten Gesprächen mit der iranischen Führung ermuntert. Außenminister Steinmeier wolle das Bemühen bei seinem Washington- Besuch Anfang dieser Woche fortsetzen und auch im US-Kongress sondieren, ob dort Gesprächsbereitschaft besteht, hieß es weiter.

Deutsche Diplomaten äußerten dem "Spiegel"-Bericht zufolge die Ansicht, dass der Mullah-Staat womöglich nur in direkten Gesprächen zu Konzessionen bewegt werden könne. Ein Ausgangspunkt dafür könnten, so hoffe Berlin, die bereits diskret laufenden Beratungen von Amerikanern und Iranern über die Zukunft des Iraks sein. (apa/red)

27.5.2006 19:38