Samstag, 27. Mai 2006

Eingreiftruppe in Osttimor angekommen: Bandenkriege mit Macheten und Speeren

  • Priester entsetzt: "Hier herrscht der völlige Wahnsinn"
  • 600 Soldaten versuchen, brisante Lage zu beruhigen

Trotz der Ankunft ausländischer Interventionstruppen in Osttimor sind bewaffnete marodierende Banden durch die Hauptstadt Dili gezogen. Sie griffen einander mit Macheten und Speeren an und setzten Häuser in Brand, während australische Soldaten mit Panzerwagen und Kampfhubschraubern patrouillierten.

Ministerpräsident Mari Alkatiri sprach von einem Putschversuch und warnte den Staatspräsidenten José Alexandre ("Xanana") Gusmao vor einem Umsturz in dem ehemaligen portugiesischen Territorium, das über ein Vierteljahrhundert von Indonesien besetzt war und seit vier Jahren unabhängig ist.

Ausgelöst wurden die Unruhen durch die Entlassung von 600 Soldaten, einem Drittel des gesamten Heeres. Sie waren aus Protest gegen Diskriminierung in einen Streik getreten. In der Stadt waren sporadisch Schüsse zu hören. Tausende verängstigte Einwohner brachten sich in ausländischen Botschaften, auf dem Flughafen oder in provisorischen Schutzunterkünften in Sicherheit. Andere suchten in Kirchen Zuflucht. Innerhalb von vier Tagen wurden bei den Unruhen mindestens 23 Menschen getötet.

"Hier herrscht der völlige Wahnsinn"
Nach Angaben eines katholischen Priesters geht es längst nicht mehr um einen Konflikt innerhalb der Armee. "Hier herrscht der völlige Wahnsinn. Der Westen kämpft gegen den Osten, Soldaten gegen Soldaten, Polizisten gegen Soldaten, jeder gegen jeden", sagte Pfarrer Lalo, während er versuchte, die Leute in den Straßen Dilis von der Gewalt abzubringen.

Gusmao und Alkatiri hatten gemeinsam um Entsendung ausländischer Interventionstruppen gebeten, um die Gewalt einzudämmen. Nach diesem Hilferuf waren am Donnerstag und Freitag die ersten 600 von insgesamt 1300 Soldaten eingetroffen, die Australien zur Verstärkung des UNO- Kontingents auf die Insel schicken will. Auch Malaysia, Neuseeland und die ehemalige Kolonialmacht Portugal haben die Entsendung von Truppen zugesagt. Angesichts der anhaltenden Gewalt wollen die Vereinten Nationen den Großteil ihres Personals in Sicherheit bringen. (apa/red)

27.5.2006 16:51