Samstag, 27. Mai 2006

Benedikt im Geburtsort seines Vorgängers: Besuch von Wohnhaus & Kirche in Wadowice

  • Zahlreiche Gläubige versammelten sich auf Marktplatz
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Am dritten Tag seiner Polen-Reise hat Papst Benedikt XVI. Samstag Vormittag der Geburtsstadt seines verstorbenen Amtsvorgängers Johannes Paul II., Wadowice, einen Besuch abgestattet. Nach einem Gebet in der Kirche besuchte der Papst das Haus, in dem Karol Wojtyla 1920 zur Welt gekommen und aufgewachsen war. Das in dem Gebäude untergebrachte Museum ist dem Leben und Wirken des einstigen Krakauer Erzbischofs in Polen gewidmet.

Auf dem Marktplatz von Wadowice wandte sich das katholische Kirchenoberhaupt an die zahlreichen Gläubigen. Er könnte Wadowice auf seiner Pilgerreise, die den Spuren Johannes Pauls folge, nicht auslassen. Um das Leben und Amt seines Vorgängers verstehen zu können, sei es nötig, dessen Geburtsstadt aufzusuchen. "Er selbst hat bekannt, dass hier, in Wadowice, alles begonnen hat: das Leben, die Studien, das Theater und die Priesterschaft."

Auf dem Platz hatten sich viele Menschen versammelt, um den Papst, der Teile der Rede auf Polnisch hielt, zu hören. Über der Tribüne, von der aus Benedikt XVI. sich an die Menge wandte, war ein Transparent mit dem Leitspruch der Papst-Reise ("Bleibt stark im Glauben") und einem Bild Johannes Pauls II. angebracht. Viele der rund 30.000 Menschen brachten auf Transparenten ihren Wunsch "Santo Subito" (Heiligsprechung sofort) zum Ausdruck.

Anschließend wollte Benedikt XVI. in den Wallfahrtsort Kalwaria Zebrzydowska weiterreisen und das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki in Krakau besuchen. Für den Abend war ein Treffen mit Jugendlichen in Krakau geplant. Große Jugenddelegationen aus anderen europäischen Ländern, vor allem aus Italien und aus Russland, sind angereist. In der Bischofsstadt des späteren Johannes Paul II. findet am Sonntag auch eine große Messe auf der Blonia-Wiese statt. Der Papst war am Donnerstag zu einem viertägigen Polen-Besuch in Warschau eingetroffen. Am Sonntag will sich der Papst auch in das frühere nazideutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begeben.

Bei seinem Besuch im Wallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) hatte Benedikt XVI. am Freitag gesagt, die Weisheit des Evangeliums müsse "mit Reife, ohne Kindlichkeit und ohne Angriffslust" in die Welt getragen werden. Er bezog sich damit offenbar auf klerikal-fundamentalistische Gruppen wie die Macher des umstrittenen polnischen Senders Radio Maryja, dem judenfeindliche, europafeindliche und antiliberale Propaganda vorgeworfen wird.
(apa/red)

27.5.2006 22:47