Sonntag, 28. Mai 2006

Tragischer Amoklauf in Berlin: Ein Opfer des Jugendlichen ist mit HIV-Virus infiziert!

  • Messerattacke: Virus könnte sich übertragen haben
  • Kanzlerin Merkel schockiert: "schreckliches Ereignis"

Ein 16-jähriger Amokläufer hat nach der feierlichen Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes in Berlin 31 Menschen mit einem Messer niedergestochen. Sechs von ihnen wurden schwer verletzt. Für sie ist das furchtbare Attentat aber noch lange nicht ausgestanden, denn eines der Opfer ist mit dem HI-Virus infiziert. Andere könnten sich bei dem Amoklauf angesteckt haben. Der Amokläufer war nach Polizeiangaben stark betrunken und bereits durch andere Gewalttaten bekannt. Er bestritt die Tat, die Staatsanwaltschaft lastete ihm jedoch versuchten Mord an. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erlassen.

Eines der ersten Opfer ist nach eigenen Angaben mit dem Aids-Virus infiziert. Es sei deshalb möglich, dass andere Opfer ebenfalls mit dem Aids-Virus angesteckt worden seien, teilte die Poliei mit.

Die Polizei forderte alle Opfer mit Schnittverletzungen und Helfer auf, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Die Polizei betonte, eine Infektion der Verletzten sei "nicht zwingend die Folge, kann aber nicht ausgeschlossen werden".

Die Opfer des Amokläufers erhalten nun eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten, wie sie auch in der HIV-Therapie angewandt werden. Die Gefahr einer Ansteckung ist laut dem Ärztliche Direktor der Berliner Charité, Ulrich Frei, gering.

Die Messerattacke löste erneut eine Debatte über die Sicherheitsmaßnahmen zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft aus, bei der ähnliche Menschenansammlungen zu erwarten sind.

Der Festgenommene wollte von der Tat nichts mehr wissen. Er gebe an, sich wegen seines Alkoholkonsums an nichts erinnern zu können und bestreite die Messerstiche, sagte ein LKA-Sprecher. Die Polizei habe jedoch die Tatwaffe sichergestellt, die er bei sich gehabt habe. Zudem gibt es nach Angaben des Berliner Vize-Polizeipräsidenten Gerd Neubeck 60 Zeugen der Tat, die vernommen würden.

Haftbefehl erlassen
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der zuständige Richter am Samstagabend Haftbefehl gegen den 16-Jährigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Den Vorwurf des versuchten Mordes begründete Oberstaatsanwältin Ute Segelitz mit den hinterrücks geführten Angriffen, die den Tatbestand der Heimtücke erfüllten.

Der Amoklauf nach dem Fest zur Einweihung des neuen Berliner Hauptbahnhofs hatte sich in einem Zeitraum von nur etwa zehn Minuten abgespielt. In dieser Zeit soll der Jugendliche in der Menge auf mindestens 28 Menschen eingestochen und -geschlagen haben.

Dem brutalen Wüten des Jugendlichen machten letztendlich private Sicherheitskräfte ein Ende: Sie stellten den 16-Jährigen am Spreeufer, wo er einer Frau ohne Grund in den Bauch geboxt hatte.

Kurz vor Mitternacht hatte der Amokläufer im Regierungsviertel damit begonnen, hinter dem Reichstagsgebäude wahllos auf Passanten einzustechen. Einige erlitten tiefe Stiche in den Bauch und den Rücken. 24 der Verletzten wurden im Krankenhaus behandelt, 15 davon zunächst stationär.

Zwei Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft rechtfertigten die WM-Organisatoren im Hinblick auf den Vorfall die scharfen Sicherheitsregeln zur WM. Der Leiter des Berliner WM-Komitees, Bernd Schiphorst, sagte der dpa: "Der tragische Vorfall zeigt, wie wichtig die ungeheuer großen Sicherheitsauflagen bei der WM sind."

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Amoklauf in Berlin nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs als "schreckliches Ereignis". Mit Blick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft und die Sicherheitslage sagte Merkel, das Innenministerium habe in Zusammenarbeit mit den Ländern "alle nur denkbaren Vorkehrungen für die Einhaltung der Sicherheit in einem Ausmaß getroffen, wie es noch nie der Fall in Deutschland war". Der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte dagegen, die Sicherheitskonzepte für die Fußball-WM noch einmal zu überdenken.

Der Vater des mutmaßlichen Amokläufers in Berlin reagierte mit Betroffenheit und Erschütterung auf den Vorfall. Er sagte der "Berliner Morgenpost", er habe keine Erklärung für die Tat seines Sohnes. (apa/red)

28.5.2006 13:42