Vier Jahre nach Unabhängigkeit:
Osttimor steht am Rand eines Bürgerkriegs
- Mindestens neun Tote bei schweren Kämpfen
- Australisches Kommando eingetroffen
Vier Jahre nach der Unabhängigkeit steht Osttimor am Rand eines Bürgerkriegs: Am dritten Tag der Schießereien zwischen Regierungstruppen und entlassenen Soldaten kamen mindestens neun Menschen ums Leben. In der Hauptstadt Dili wurden am Donnerstag Häuser und Geschäfte in Brand gesetzt. Über der Stadt hingen Rauchwolken.
Viele Einwohner ergriffen die Flucht. Sie versuchten, zum Flughafen oder auf das Gelände der Vereinten Nationen zu gelangen. Dorthin brachten sich etwa 1.500 Menschen in Sicherheit. Zu heftigen Gefechten kam es vor dem Hauptquartier der Polizei. Dort schossen ehemalige Soldaten auf Polizisten, wie UN-Sprecher Stephane Dujarric in New York mitteilte.
Auslöser der Unruhen war die Entlassung von 600 Soldaten, einem Drittel des gesamten Heeres. Sie waren aus Protest gegen Diskriminierung und die Bedingungen in der Kaserne in einen Streik getreten.
Nach einem Hilferuf der Regierung Osttimors trafen am Donnerstag die ersten 100 von insgesamt 1.300 Soldaten ein, die Australien zur Verstärkung des UN-Kontingents auf die Pazifikinsel schicken will. Auch Malaysia, Neuseeland und die ehemalige Kolonialmacht Portugal haben die Entsendung von Truppen angekündigt. Außenminister José Ramos-Horta erklärte, die eigenen Sicherheitskräfte könnten die Situation nicht mehr kontrollieren.
Präsident Xanana Gusmao ordnete die Verhaftung der Exsoldaten und ihres mutmaßlichen Führers Alfredo Reinado an. Dieser erklärte in einem Interview des britischen Senders BBC, die Stationierung ausländischer Soldaten sei die einzige Möglichkeit, einen Bürgerkrieg zu verhindern.
Australien führte die UN-Friedenstruppe INTERFET, die 1999 in Osttimor stationiert wurde, nachdem sich die Bürger der indonesischen Provinz für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatten. Proindonesische Milizen überzogen Osttimor nach dem Referendum mit einer Welle der Gewalt. Erst der INTERFET-Einsatz setzte dem ein Ende. Nach zweieinhalbjähriger UN-Verwaltung wurde Osttimor im Mai 2002 unabhängig. (apa/red)
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