Montag, 9. Oktober 2006

Spekulationen in Medien: Kosovo-Parlament
will am 23. Oktober Unabhängigkeit erklären

  • Kosovo-serbischer Politiker: "Hat keine Bedeutung"
  • UNO-Verhandler: "Keine Verhandlungslösung in Sicht"

Das Parlament in Pristina plane, am 23. Oktober eine Resolution über die Unabhängigkeit des Kosovo zu verabschieden. Dies berichtete die in Frankfurt erscheinende serbischsprachige Zeitung "Vesti" unter Berufung auf einen kosovo-albanischen Oppositionsführer.

Neben den Feiern zum Kurban Bajram (Opferfest zum Ende des Ramadan) am 23. Oktober solle den Bürgern Kosovos eine "weitere Freude, über die Generationen von Albaner geträumt haben, bereitet werden", sagte die namentlich nicht genannte Quelle der Zeitung.

Goran Bogdanovic, Mitglied des serbischen Verhandlungsteams bei den Wiener Kosovo-Gesprächen und kosovo-serbischer Politiker, erklärte, dass eine Unabhängigkeitsresolution die Serben nicht beunruhigen werde. Eine solche Resolution müsste die UNO-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) ohnehin für nichtig erklären. Eine Entscheidung über den künftigen Kosovo-Status könne nur der UNO-Sicherheitsrat fällen, betonte Bodganovic gegenüber "Vesti". "Eine einseitige Unabhängigkeitserklärung im Parlament Kosovos hätte keine Bedeutung."

UNO-Verhandler: "Keine Verhandlungslösung"
Der UNO-Chefverhandler für den Kosovo, Martti Ahtisaari, sieht keine Möglichkeit für eine "ausverhandelte Lösung" in der Frage des künftigen völkerrechtlichen Status des seit 1999 von der UNO verwalteten Kosovo. Er sehe diesbezüglich keine Bewegung der beiden Parteien mehr, sagte Ahtisaari.

Es sollte jedoch möglich sein, den Abstand zwischen Pristina und Belgrad bei den Gesprächen über technische Fragen im Rahmen der Wiener Status-Verhandlungen während seines UNO-Mandats noch zu verringern.

"Ich glaube, wir können über technische Fragen nicht ewig weiterverhandeln", sagte Ahtisaari auf die Frage, wie lange die Gespräche in Wien noch fortgeführt werden könnten.

Ahtisaari erklärte auch, Pristina habe in den technischen Fragen, bei denen es unter anderem um die Minderheitenrechte und Dezentralisierung geht, wesentlich mehr Kompromisse als Belgrad gemacht.

(apa/red)

9.10.2006 12:04