Schwerer Luftangriff in Afghanistan:
US-Truppen greifen Dorf im Süden an
- Laut Regierung 60 Rebellen und 16 Zivilisten getötet
·Afghanistan: 30 Tote bei neuer Gewaltwelle
Selbstmordanschlag in Kabul, Taliban-Überfall
Die von den USA geführten Truppen in Afghanistan haben bei einem Luftangriff auf ein Dorf im Süden des Landes nach Behördenangaben rund 60 mutmaßliche Taliban-Kämpfer und etwa 16 Zivilisten getötet. Das teilte der Gouverneur der Provinz Kandahar, Asadullah Khalid, am Montag mit. Ein Sprecher der Koalitionsstreitkräfte, Major Scott Lundy, bestätigte den Angriff. Rund 50 Taliban seien getötet worden. Den Berichten über zivile Opfer des Angriffs werde nachgegangen, sagte Lundy. Die Taliban, deren fundamentalistisches Regime 2001 entmachtet worden war, hatten zum "Heiligen Krieg" gegen die ausländischen Truppen im Land und gegen die pro-westliche Kabuler Regierung des Präsidenten Hamid Karzai aufgerufen.
Der Provinzgouverneur erklärte, neben den 16 Getöteten habe es 16 Verletzte gegeben. Sie seien in Krankenhäuser gebracht worden. Bei Kämpfen komme es immer wieder zu derartigen Vorfällen, sagte er mit Bezugnahme auf die zivilen Opfer, "vor allem, wenn sich die Taliban in Häusern verstecken. Ich fordere alle Menschen auf, den Taliban keinen Unterschlupf zu gewähren." Der Luftangriff sei am Sonntagabend und Montagmorgen auf das Dorf Asisi im Verwaltungsbezirk Panj Wayee geflogen worden, sagte Lundy. "Das war ein bekannter Taliban-Stützpunkt und wir glauben, das rund 50 Taliban getötet wurden." Mehr als ein Dutzend Dorfeinwohner, viele davon verwundet, trafen am Montag als Flüchtlinge in Kandahar ein. Sie berichteten über viele getötete Zivilpersonen.
Ein Flüchtling sagte, die Taliban-Kämpfer hätten sich nach den schweren Gefechten der vergangenen Tage in einer Religionsschule versteckt. Nachdem Kampfhubschrauber die Religionsschule unter Feuer genommen hätten, seien die Taliban in die umliegenden Häuser geflüchtet. "Dann wurden diese Häuser bombardiert", sagte der 40-jährige Haji Ihlaf. "Ich sah 35 bis 40 tote Taliban und 50 tote oder verwundete Zivilpersonen." Eine andere Überlebende aus dem Dorf, Surmina Bibi, sagte, in ihrem Haus seien im Bombenhagel zehn Menschen umgekommen, darunter drei oder vier Kinder.
Am Wochenende war es in mehreren Landesteilen zu Taliban-Offensiven gekommen. Ein älterer Mann aus dem bombardierten Dorf sagte, dass 26 seiner Angehörigen getötet wurden. Außerdem seien zahlreiche weitere Menschen bei den Angriffen verletzt worden. "Sie begannen unser Dorf gegen Mitternacht zu bombardieren und machten bis zum Morgen weiter", sagte der Augenzeuge. Die Angriffszone sei von ausländischen und afghanischen Soldaten abgeriegelt worden. Andere Einwohner erzählten, dass in dem Dorf viele Verletzte lägen, die mangels Fahrzeugen nicht in das Krankenhaus nach Kandahar gebracht werden könnten.
Der Süden des Landes wurde in den vergangenen Tagen von den blutigsten Kämpfen seit Monaten erschüttert. Dabei kamen seit Mittwoch insgesamt mehr als 200 Taliban, Zivilisten und Soldaten ums Leben, darunter seit dem Wochenende auch zwei französische Soldaten, ein US-Soldat und ein weiterer Soldat der multinationalen Truppen. (apa/red)
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