"Frauen sollen sich um Haushalt kümmern":
Verändertes Rollendenken ohne Auswirkung
- 47 % glauben, dass Frauen nur Haus & Kinder wollen
- 74 % hätten mit weiblicher Vorgesetzter kein Problem
Das Rollendenken bei den Geschlechtern hat sich geändert. Die Konsequenzen daraus werden im Verhalten allerdings nur bedingt sichtbar. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts "Spectra" hervor.
"Spectra" führte im Februar persönliche Interviews mit 1.000 repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren ausgewählten Personen durch. Wie sich zeigte, bejaht knapp die Hälfte der Österreicher (49 Prozent) die Grundidee des traditionellen Rollenbildes: "Im Grunde finde ich es richtig, dass sich die Frauen um den Haushalt kümmern und die Männer das Geld verdienen." Der Aussage, dass einen Beruf zu haben schön sei, die meisten Frauen jedoch nur ein Haus und Kinder wollten, stimmen 47 Prozent zu.
Trotz der Verankerung in der Tradition wird laut "Spectra" von der Frau aber auch ein stark selbst behauptendes Rollenbild gezeichnet: Gut 70 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass sich Frauen genauso gut durchsetzen können wie Männer. Weiters hätten 74 Prozent der Bevölkerung kein Problem damit, wenn die Vorgesetzte eine Frau wäre. Von 64 Prozent wird kritisiert, dass es noch immer zu wenig Frauen in Entscheidungspositionen gebe.
Auch Männer sollen sich um Kindererziehung kümmern
Dass die Aufgabenverteilung, die das tradierte Rollenbild vorsieht, als nicht fair angesehen wird, schlägt sich in den Befunden mehr als deutlich nieder, so die Meinungsforscher. 85 Prozent sind der Ansicht, dass Männer sich genauso um die Kindererziehung kümmern sollten wie die Frauen. Ähnliches gilt - wenn auch in vermindertem Ausmaß - für das Kochen und Saubermachen. Und letztlich wird von mehr als der Hälfte der Befragten Kritik laut, dass die Männer nur den angenehmen Teil der Kindererziehung übernehmen.
Drei Viertel vertreten die Ansicht, dass es Männer im Berufsleben leichter haben als Frauen. 59 Prozent gehen davon aus, dass der Erfolg im Beruf für einen Mann wichtiger ist als für eine Frau.
Nein zu Kochen und Saubermachen
Analysiert man das Rollenverständnis getrennt nach Geschlechtern, treten merkliche Diskrepanzen zu Tage. Konkret können Männer weniger gut nachvollziehen, dass sie sich genauso wie die Frauen der Kindererziehung widmen sollen: Der Ansicht, dass sie es tun sollen, sind 72 Prozent der über 40-jährigen männlichen Befragten und 82 Prozent der Männer unter 40 Jahre. Bei den weiblichen Befragten über 40 Jahre sind es hingegen 90 Prozent und bei den unter 40-Jährigen sogar 95 Prozent. Beim Kochen, Saubermachen und Ähnlichem verhält es sich ähnlich. Männer tun es auch nicht, wie die Verhaltensanalyse nachweist. Weiters haben sie gewisse Schwierigkeiten damit, die Selbstbehauptung des weiblichen Geschlechtes so zu sehen, wie es die Frauen tun.
Die Bevölkerung unter 40 Jahre lässt dennoch Denkweisen erkennen, die weniger stark im tradierten Rollenbild verhaftet sind als deren Elterngeneration. Allerdings folgen die jüngeren Männer ihrem neuem Denken nur bedingt. Auch in diesen Haushalten folgt die Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau abgesehen von einigen wenigen Bereichen dem Rollenklischee.
(apa/red)
