Verkaufs-Programm: BAWAG will ihre
Anteile am Privat-TV-Sender ATV verkaufen
- Suche nach einem Käufer wird zum Spießrutenlauf
- Sender schreibt immer noch 14 Millionen Verlust
Wer soll das nur alles bezahlen?", fragt Richard Lugner in der letzten Staffel des Realityformats "Die Lugners". Und auch wenn die kultverdächtige Dokusoap trotz Topquoten keine Fortsetzung finden wird - die Suche nach einem finanzkräftigen "Big Spender" bleibt beim Fernsehsender ATV derzeit dennoch das zentrale Thema. Denn der Megaskandal rund um die Bawag bleibt für den Privatsender nicht ohne Folgen: Die Gewerkschaftsbank hält 42 Prozent an ATV und will ihre Anteile dem Vernehmen nach so schnell wie möglich verkaufen. Doch die Suche nach einem Käufer entwickelt sich zum Spießrutenlauf.
"Wir konzentrieren uns derzeit voll auf den Verkaufsprozess die Gesamtbank betreffend", lautet dieser Tage die offizielle Bawag-Linie. Beteiligungsverkäufe seien "deshalb derzeit kein Thema". Hinter den Kulissen freilich ist der Verkaufsprozess bereits voll angelaufen. Bawag-General Ewald Nowotny höchstselbst soll ATV-Hauptaktionär Herbert Kloiber gebeten haben, potenzielle Käufer für die Bawag-Anteile am Fernsehsender aufzutreiben. Doch Kloibers Suche könnte sich ziemlich in die Länge ziehen: ATV schreibt seit Jahren Verluste in Millionenhöhe und kann nur langsam bei Marktanteilen zulegen. Auch der Medienexperte und frühere n-tv-Chef Helmut Brandstätter betrachtet die Suche nach einem Käufer für ATV kritisch: "Ich wüsste nicht, wer bereit sein sollte, für dieses Unternehmen ordentlich Geld auf den Tisch zu legen."
14 Millionen Euro Verlust weist die Bilanz von ATV für das Jahr 2005 aus - freilich deutlich weniger als 2003, als sogar 25 Millionen Minus verbucht werden mussten. Senderchef Franz Prenner: "Wir spüren einen deutlichen Aufwärtstrend und werden 2008 erstmals ausgeglichen bilanzieren."
Tatsächlich ist die Mission Prenners, der früher beim Vorläufer der ORF-Vermarktungsfirma ORF Enterprise beschäftigt war, nicht aussichtslos: ATV erfährt zunehmende Akzeptanz vonseiten der Werbewirtschaft und konnte seine Brutto-Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr auf über 93 Millionen Euro fast verdoppeln.
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