Beton für die Börse: Strabag-Boss Hans-Peter Haselsteiner im NEWS-Interview
- Über Aufstieg: "Mutige, weitsichtige Entscheidungen"
- Zum ÖGB: "Unvereinbarkeiten nie ernst genommen"

Mit Weitblick hat Hans Peter Haselsteiner die Strabag auf Wachstumskurs getrimmt und die Chancen Osteuropas früh erkannt. Aus der kleinen Kärntner ILBau schuf er einen Baukonzern, der als erste österreichische "Societas Europaea" heute unter den fünf größten Baukonzernen Europas rangiert. Mit 44.500 Mitarbeitern setzte der Konzern 2005 in seinem bisher erfolgreichsten Jahr 9,3 Milliarden Euro um und verdiente 156 Millionen Euro (EBIT). Im kommenden Jahr geht die Strabag SE an die Börse. Hans-Peter Haselsteiner im großen NEWS-Gespräch über seine Börsenpläne, den neuen Lohndruck aus dem Osten und den ÖGB-Bawag-Skandal.
NEWS: Sie planen den Börsengang der Strabag SE, vermutlich im kommenden Jahr. Sind Sie bereit, Macht abzugeben?
Hans Peter Haselsteiner: Selbstverständlich. Das Signal lautet, wenn die Streubesitz-Aktionäre es wollten, dann hätten sie die Mehrheit. Für jeden Konzernumbau, jede größere Maßnahme brauchen wir qualifizierte Mehrheiten. Und die geben wir bewusst ab. Wir laden neue Aktionäre ein in eine Partnerschaft und nicht in ein von einigen wenigen beherrschtes Unternehmen.
NEWS: Wie viel Prozent werden die bisherigen Aktionäre, also Raiffeisen und Ihre Familie bzw. die Familienstiftungen, nach dem Börsengang halten?
Haselsteiner: Das Unterste, was denkbar ist, sind 40 Prozent gemeinsam mit Raiffeisen, wobei beide Seiten jeweils die Hälfte dieser Anteile halten.
NEWS: Damit wäre auch eine feindliche Übernahme möglich.
Haselsteiner: Es wäre möglich. Aber ein feindlich Übernehmender gibt sich nicht mit 50 oder 60 Prozent zufrieden, sondern braucht eine qualifizierte Mehrheit, so wie ich sie brauche. Es ist zwar denkmöglich, aber sehr unwahrscheinlich.
NEWS: Könnte es eine Sonderkonstruktion mit stimmberechtigten und stimmrechtslosen Aktien geben?
Haselsteiner: Die Zeit von Vorzugsaktien oder stimmrechtslosen Aktien ist vorbei. Wenn schon, dann, glaube ich, muss man auch das Herz haben und sagen, wir wollen eine große börsennotierte Gesellschaft sein mit allen bestehenden Börsenregeln.
NEWS: Die Strabag SE hat zuletzt einen Rekordumsatz von über 9,3 Milliarden Euro erzielt und spielt in der Liga der größten fünf Baukonzerne Europas. Wie haben Sie es geschafft, aus der Kärntner Baufirma ILBau diesen Konzern zu zimmern?
Haselsteiner: Es gibt viele Faktoren, aber der wichtigste ist sicher, dass wir eine gute Basis hatten. Das betrifft insbesondere unsere Mitarbeiter, die Kärntner Kernmannschaft, mit der diese Expansion eingeleitet und durch viele Jahre begleitet wurde und wird. Und dann waren es mutige, glückhafte und auch weitsichtige Entscheidungen. Es ist immer eine Kombination. Dieser Weg ist nicht ohne Rückschläge oder Niederlagen geblieben. Im Großen und Ganzen waren es die richtigen Entscheidungen und daher insgesamt ein Erfolg.
NEWS: Vermutlich werden Sie heuer die Zehn-Milliarden-Schallmauer durchbrechen. Wie groß kann die Strabag werden?
Haselsteiner: Ich gehe davon aus, dass wir weiter wachsen, weil wir in den Wachstumsmärkten Europas die stärkste Position haben. Daher müssten wir bessere Wachstumschancen vorfinden als unsere Mitbewerber. Das Hauptwachstum wird nicht allein von den bestehenden Märkten kommen, sondern vor allem von den neuen Märkten, die wir erschließen wollen. Der ganze Außengürtel der bestehenden Europäischen Union - von Kroatien, Bosnien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Ukraine, Türkei bis Russland - ist unser Wachstumsmarkt.
NEWS: Wie gehen Sie dabei vor?
Haselsteiner: Nach der Strabag-Philosophie mit den jeweiligen Nationalitäten und nicht durch Kolonialismus. Es gibt beispielsweise in Ungarn keinen österreichischen Mitarbeiter mehr, sondern nur mehr ungarische. Jene Kärntner, die ursprünglich diesen Markt erschlossen haben, sind längst in anderen Ländern und helfen jetzt dort.
NEWS: Sie haben heute, in einer Zeit, in der Arbeitsplätze rar sind, die Verantwortung für rund 44.500 Mitarbeiter. Eine Riesenverantwortung in Arbeitslosenzeiten wie diesen.
Haselsteiner: Die Herausforderung liegt dort, dass man dem Leistungsfähigen die Chancen gibt, auch Karriere zu machen, und den Leistungswilligen soll ein Minimum an Sicherheit geboten werden.
NEWS: Viele große Konzerne lagern aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit zumindest Teile ihrer Produktion in Länder aus, die günstigere Rahmenbedingungen bieten.
Haselsteiner: Also zum Glück betrifft das die Dienstleistungsbranche nicht. Wir müssen unsere Leistung dort bringen, wo diese gebraucht wird. Das ist eine Gnade, weil ich würde wahrscheinlich auch kein Rezept wissen, das zu vermeiden. Etwas anderes ist es, wenn der österreichische und der deutsche Arbeitsmarkt für die Beitrittsländer der jüngsten EU-Osterweiterung geöffnet werden. Die Löhne in diesen Ländern werden auch nach der siebenjährigen Übergangsphase nicht österreichisches Niveau haben. Die Produktivität hat aber schon heute unser Niveau. Das muss zwangsläufig Auswirkungen haben. Alle Leistungen und Lohnbestandteile außerhalb des kollektivvertraglichen Rahmens werden jedenfalls weg sein, und zwar schlagartig. Davon bin ich überzeugt.
NEWS: Wie sehen Sie die Forderung nach einer gerechteren Verteilung, die sich auf die enormen Gewinne vieler großer Konzerne bezieht?
Haselsteiner: Ich glaube, wir haben ein sehr ausgewogenes System, wie wir unsere Mitarbeiter und unsere Aktionäre finanziell am Erfolg teilhaben lassen. Ich bin ohnehin der Meinung, dass das Kapital eine faire Teilung propagieren muss, wenn es eine Chance haben möchte, nachhaltig zu optimalen Ergebnissen zu kommen. Teilen ist nicht nur ein Erfordernis, sondern auch eine höchst vernünftige Grundlage. Es lässt sich in der Geschichte nachvollziehen, wann immer dieser Bruch zu groß wurde, hat es gewaltsame Veränderungen gegeben.
NEWS: Veränderungen, wie sie jetzt im ÖGB passieren?
Haselsteiner: Die Unvereinbarkeit wurde dort nie so sonderlich ernst genommen. Die Konsequenzen sieht man jetzt. Das macht einen natürlich auch traurig und verbittert. So viele Tausend hackeln wie die Wahnsinnigen, und dann gibt es ein paar, die das System ausnützen. Wobei das nicht auf die Gewerkschaft beschränkt ist. Es gibt in vielen halbstaatlichen oder staatlichen Organisationen denselben Geist, vollkommen ungestraft auch heute noch.
Das ganze Interview mit dem mächtigen Strabag-Boss im aktuellen NEWS!

