Donnerstag, 18. Mai 2006

Arzneimittelkosten steigen wieder stärker: Kosten nahmen 2006 schon 8,1 Prozent zu

  • Im Vorjahr hatte die Steigerung nur 1,6 % betragen
  • PLUS: Gebietskrankenkassen in argen Finanznöten

Vergangenes Jahr sind die Ausgaben der sozialen Krankenkassen für Arzneimittel nur um 1,6 Prozent gestiegen. Doch dieses Wellental könnte schon wieder zu Ende sein. Im ersten Quartal 2006 gab es wieder eine Zunahme der Kosten um 8,1 Prozent. Dies erklärte die Vize-Generaldirektorin des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hartinger.

Erst in den vergangenen Tagen hat das Gesundheitsministerium darauf aufmerksam gemacht, dass der Saldo der sozialen Krankenkassen 2005 positiv ausgefallen sei. Dazu hätte auch das "Arzneimittelpaket" an Maßnahmen zur Kostendämpfung beigetragen, hieß es. Immerhin betrug die Ausgabensteigerung bei den Medikamenten im vergangenen Jahr nur 1,6 Prozent. Doch damit dürfte es nun wieder vorbei sein. Hartinger: "Im ersten Quartal 2006 hatten wir eine Kostensteigerung, die uns wieder etwas bedenklich stimmen sollte. Sie liegt ganz aktuell bei 8,1 Prozent."

"2005 waren es für alle drei 'Boxen' (Klassifizierung der Arzneimittel nach Verschreibungsmodus, Anm.) 1,8 Mrd. Euro an Ausgaben. 81 Prozent entfielen auf die grüne Box (frei verschreibbar), 18 Prozent auf die gelbe Box (mit Begründung bzw. nach Bewilligung verschreibbar) und der Rest auf die rote Box (nur nach Bewilligung rezeptierbar)", sagte Hartinger.

Die kostenaufwendigeren und zum Teil innovativen Medikamente finden sich in den mit Auflagen versehenen Boxen. "Die durchschnittlichen Kosten einer Verordnung aus der roten Box betrugen 209 Euro, jene aus der gelben Box 114 Euro und im grünen Bereich 16 Euro", sagte die stellvertretende Hauptverbands-Generaldirektorin. Vehement verteidigte Hartinger das seit vielen Jahren kritisierte System der Chefärzte und von deren Bewilligungen. "Der Chefarzt ist der unabhängige Sachverständige", erklärte sie.

(apa)

18.5.2006 09:59