Donnerstag, 18. Mai 2006

Kroatien ist ein echtes Welt(meister)team: Viele Kicker nicht in Adria-Staat geboren

  • Kamen als Emigranten-Kinder im Ausland zur Welt
  • Didulica wuchs in Australien auf, Tokic in Bosnien

Während in vielen Fußball-Nationalteams Kinder von Einwanderern eine tragende Rolle spielen, ist bei Kroatien genau das Gegenteil der Fall. Gleich sieben Spieler aus dem Aufgebot, das im Juni an der Weltmeisterschaft teilnimmt, sind als Nachkommen von kroatischen Emigranten nicht im Land des WM-Dritten von 1998 geboren.

Ein Beispiel für die kroatische "Diaspora" ist Austria-Goalie Joey Didulica. Der Keeper kam ebenso in Australien zur Welt wie seine Teamkollegen Josip Simunic und Anthony Seric. Die Brüder Niko und Robert Kovac sowie Ivan Klasnic erblickten in Deutschland das Licht der Welt, Stjepan Tomas ist gebürtiger Bosnier. Dazu kommt noch Austria-Verteidiger Mario Tokic, der zwar in Zagreb geboren wurde, aber in Bosnien-Herzegowina aufwuchs, ehe er im Alter von 15 Jahren nach Kroatien zurückkehrte.

Das Zurückgreifen auf Exil-Kroaten hat sich schon bei der WM 1998 bezahlt gemacht, als die Balkan-Truppe mit fünf nicht in Kroatien zur Welt gekommenen Spielern Rang drei erreichte. Einer der Stars von damals war Robert Prosinecki, der im deutschen Schwenningen zur Welt kam.

Dabei wäre Kroatien kürzlich fast den umgekehrten Weg gegangen: Der Brasilianer Eduardo Alves da Silva kam im Alter von 15 Jahren nach Kroatien, ist mittlerweile im Besitz der kroatischen Staatsbürgerschaft und stand kurz vor dem Sprung in den WM-Kader. Im letzten Moment aber entschied sich Teamchef und Ex-Rapidler Zlatko Kranjcar, dessen Sohn Niko einen Teil seiner Kindheit in Wien verbrachte, gegen eine Nominierung des Dinamo-Zagreb-Kickers und musste deswegen wüste Beschimpfungen des Dinamo-Anhangs über sich ergehen lassen.

Australien krallt sich kroatische Spieler
Mittlerweile aber läuft das kroatische Nationalteam immer mehr Gefahr, von seinen Landsleuten im Ausland im Stich gelassen zu werden. So stehen im WM-Kader der Australier, die bei der Endrunde am 22. Juni in Stuttgart auf Kroatien treffen, in Mark Viduka, Marco Bresciano, Jason Culina, Josip Skoro, Zeljko Kalac, Ante Covic und Tony Popovic nicht weniger als sieben Akteure mit kroatischen Wurzeln.

Auch das ÖFB-Team hat mit kroatischen Einwanderern schon gute Erfahrungen gemacht. So zählte Ivica Vastic jahrelang zu den Stützen der österreichischen Auswahl und ist der einzige ÖFB-Internationale, der in den bisherigen beiden Länderspielen gegen Kroatien (1:2, 0:1) getroffen hat. Derzeit stehen in Yüksel Sariyar (Türkei), Zlatko Junuzovic und Sanel Kuljic (beide Bosnien) drei Immigranten-Kinder im österreichischen Aufgebot.
(apa/red)

18.5.2006 12:13