Wieder spanischer Triumph: "Barca" schlägt
Arsenal im Champions League-Finale mit 2:1
- Lehmann sieht nach 17 Min. Rot wegen Notbremse
Engländer trotz Unterzahl-Spiel lange Zeit in Führung - Eto'o und "Joker" Belletti treffen in der Schlussphase
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Der große Favorit hat nicht gezaubert, aber die Krone im europäischen Klub-Fußball nach vier Jahren wieder nach Spanien geholt. Der FC Barcelona gewann am Mittwoch das Finale der Fußball-Champions-League mit viel Mühe gegen Arsenal London nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 und zum zweiten Mal nach 1992 die Königsklasse.
Samuel Eto'o (76.) und Juliano Belletti (80.) drehten die Partie zu Gunsten von "Barca" um, das nach einem Campbell-Kopfballtor (37.) zunehmend verzweifelt einem Rückstand nachgelaufen war. Zur traurigen Figur des Abends wurde der deutsche Arsenal-Torhüter Jens Lehmann, der in der 18. Minute nach einer Notbremse ausgeschlossen wurde.
Vor 77.500 Zuschauern im Stade de France von Paris-St. Denis, darunter auch Spaniens König Juan Carlos, musste Barcelona diesmal auf einen Zauberfußball, mit dem der spanische Meister die Saison dominiert hatte, verzichten. Arsenal, bei allen Buchmachern und vielen Experten als krasser Außenseiter eingelaufen, machte trotz numerischer Unterlegenheit dem Favoriten das Leben mit konsequenter und hervorragender Defensive schwer, Superstar Ronaldinho konnte der Partie nicht wie gewohnt den Stempel aufdrücken.
Arsenals Thierry Henry gab nach 2:30 Minuten den ersten Warnschuss ab, doch er scheiterte aus kurzer Distanz am spanischen Schlussmann Valdez. Es schien sich ein ausgeglichenes Spiel mit Feldvorteilen für den Favoriten zu entwickeln, ehe Lehmann zur traurigen Figur des Finales wurde. Der Arsenal-Torhüter, der in der Champions League zehn Spiele in Serie ohne Gegentor erhalten hatte und damit einer der großen Garanten für den Finaleinzug war, schrieb diesmal unglücklich Geschichte, als er als erster Spieler in einem CL- oder Meistercup-Finale ausgeschlossen wurde.
In der 18. Minute stürmte Samuel Eto'o nach idealem Ronaldinho-Pass alleine auf Lehmann zu, überspielte den Deutschen, wurde von dem aber knapp außerhalb des Strafraums von den Beinen geholt. Ludovic Giuly schoss den frei liegenden Ball zwar ins Tor, doch der norwegische Schiedsrichter erkannte den Vorteil nicht an, entschied auf Foul und zückte die Rote Karte. Regelkonform, aber wohl nicht zum Vorteil von Barcelona.
Nach 763 Minuten ohne Gegentreffer endete für Lehmann jedenfalls eine starke Saison für Arsenal mit einem bitteren Abgang. Trainer Arsene Wenger holte Mittelfeldspieler Robert Pires vom Feld und schickte seinen zweiten Torhüter, den Spanier Manuel Almunia, ins Tor. Die Engländer verstärkten die Defensive, zeigten sich aber keinesfalls geschockt. Eto'o wurde von Campbell meist an kurzer Leine gehalten, Superstar Ronaldinho bekam es meist mit zwei Gegnern zu tun. Die massive Arsenal-Abwehr, die im laufenden Bewerb bis Paris nur zwei Treffer zugelassen hatte, war bis in die Schlussphase nicht zu knacken.
Und aus einer Standard-Situation schlugen die "Kanoniere" zu. Henry zirkelte einen Freistoß in die Mitte, Sol Campbell stieg vor Verteidiger Presas Oleguer hoch und traf per Kopf zur Führung (37.). Bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte kam Arsenal nicht wirklich in Bedrängnis, doch noch vor der Pause lag der Ausgleich in der Luft. "Barca" fehlten Zentimeter, als Eto'o nach Ronaldinho-Pass Campbell stehen ließ, seinen Schuss konnte der starke Almunia aber an die Stange lenken.
Nach der Pause verstärkte Barca-Trainer Frank Rijkaard weiter die Offensive, brachte zu Ronaldinho, Eto'o und Giuly mit Andres Iniesta und Hernik Larsson zwei weitere Offensivspieler. Die Spanier drängten auf ihren zweiten Triumph nach 1992, aber die von Campbell organisierte Abwehr stand vorerst sicher. Während die Rijkaard-Elf kaum zu Chancen kam, blieb Arsenal im Konter (Ljungberg/67. und Henry/70.) immer gefährlich.
Doch als Barcelona die Ideen endgültig auszugehen schienen, schlug Eto'o zu. Der Torjäger aus Kamerun bezwang in der 76. Minute Almunia mit einem Schuss in die kurze Ecke und beendete nach 821 Minuten die Arsenal-Torsperre. Vier Minuten später machte der eingewechselte Belletti, erneut nach Vorarbeit von Larsson, alles klar, als er ebenfalls aus spitzem Winkel zum 2:1-Endstand traf.
Für Barca-Coach Frank Rijjkaard war es der zweite Sieg in der Champions League. Als Spieler hatte er 1995 mit Ajax Amsterdam in Wien dank eines 1:0 über den AC Milan triumphiert.
Ausschreitungen in Barcelona
Nach dem Sieg Barcelonas ist es in der katalanischen Metropole zu schweren Ausschreitungen gekommen. Randalierer schlugen im Zentrum von Barcelona Schaufensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Wie die Polizei am Donnerstag in der zweitgrößten spanischen Stadt mitteilte, wurden 29 Randalierer festgenommen. 107 Menschen wurden verletzt, darunter sechs Polizisten.
Nach dem Abpfiff des Europacup-Finales am Mittwochabend in St. Denis bei Paris hatten sich in Barcelona 125.000 Fans der Blauroten versammelt, um den Sieg ihrer Fußballmannschaft zu feiern. Dabei setzten Krawallmacher Müllcontainer und Papierkörbe in Brand und drangen gewaltsam in Läden und Kaufhäuser im Herzen der Stadt ein.
(apa/red)
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