Donnerstag, 18. Mai 2006

Steuerpolizei durchsucht Juventus-Sitz: Mehrere Dokumente wurden beschlagnahmt

  • Ermittlungen wegen Bilanzfälschung und Steuerbetrug
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Der Sitz des italienischen Fußball-Erstligisten Juventus Turin ist am Donnerstag von der Steuerpolizei durchsucht worden. Mehrere Dokumente wurden beschlagnahmt. Nach Angaben italienischer Medien ermittelt der Turiner Staatsanwalt Bruno Tinti gegen "Juve" wegen Bilanzfälschung und Steuerbetrug. Zu den Verdächtigen zählt auch der am Sonntag zurückgetretene Sportdirektor der "alten Dame", Luciano Moggi, der als Drahtzieher eines ausgedehnten Manipulationsskandals gilt.

Auf der "Schwarzen Liste" der Ermittler steht auch der zurückgetretene Juve-Geschäftsführer, Antonio Giraudo, In die Affäre sollen mehrere italienische Klubs verwickelt sein. Juventus Turin droht der Zwangsabstieg. Wegen der neuen Entwicklungen im Skandal verloren die Juve-Aktien an der Mailänder Börse am Donnerstag fast acht Prozent. Diese Woche waren die Juve-Aktien wegen starker Kurseinbrüche mehrfach vom Handel ausgesetzt worden.

Tifosi-Verband verlangt von Skandalklubs Entschädigung
Die italienischen Tifosi wollen nicht passiv zusehen, wie der Fußball im Chaos des ausgedehnten Manipulationsskandals versinkt. In Neapel hat eine Gruppe von Fußball-Fans einen Verband gegründet, der von den in den Skandal verwickelten Klubs eine Rekordentschädigung verlangen will. Der Verband will eine Sammelklage gegen die Skandal-Klubs einreichen und einen Schadenersatz von einer Milliarde Euro verlangen.

"Castigateli!" (Bestraft sie!), heißt der Verband, der als Zivilkläger an den Prozessen gegen die Klubs teilnehmen will, nachdem die Verfahren abgeschlossen werden. Gründer des Verbands ist ein Wirtschaftsprofessor an der Universität von Neapel, Antonio Coviello. "Wer Fußball liebt, ist von diesen Skandalen hart getroffen. Die psycho-physischen Leiden der Fans müssen entschädigt werden", erklärte Coviello.

Coviello richtete eine Webseite ein (www.scandalocalcio.com) ein, von der Tifosi das Statut und das Anmeldungsformular des Verbandes herunterladen können. Eine erste Versammlung der Mitglieder ist am kommenden Samstag in Neapel geplant.

Wohnungen von Ibrahimovic und Cannavaro durchsucht
Die Steuerpolizei hat auch die Wohnungen der Juventus-Spieler Zlatan Ibrahimovic und Fabio Cannavaro durchsucht. Die Razzia wurde von der Turiner Staatsanwaltschaft angeordnet.

Die Staatsanwälte von Neapel, die im ausgedehnten Manipulationsskandal ermitteln, trafen am Donnerstag mit dem Kommissar des italienischen Fußballverbandes, Guido Rossi, zusammen. Rossi leitet den Verband, nachdem der skandalumwitterte Verbandchef Franco Carraro zurücktreten musste. Nach einem zweistündigen Gespräch mit den Ermittlern in Neapel versicherte Rossi, er werde mit der Staatsanwaltschaft eng zusammenarbeiten, um die Affäre zu klären. Rossi muss in den nächsten Monaten neue Regeln schreiben, um größere Transparenz im italienischen Fußball zu sichern.

Für eine "Moralisierung in der Fußballwelt" plädierte auch der designierte italienische Ministerpräsident Romano Prodi in seiner ersten Ansprache vor dem Parlament, nachdem er am Mittwoch seine Ministerliste vorgestellt hat. "Der Skandal im Fußball beweist, dass man jegliche Grenze überschritten hat. Eine ethische Wende ist in Italien dringend notwendig", sagte Prodi.
(apa/red)

18.5.2006 17:26