Sonntag, 21. Mai 2006

Selbstmordanschlag und Überfälle: Neue Gewaltwelle in Afghanistan mit über 30 Toten

  • Regierung erhebt Vorwürfe gegen Nachbar Pakistan

Nach einer Welle von Angriffen der radikalislamischen Taliban mit mehr als 30 Toten hat der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta am Sonntag schwere Vorwürfe gegen Pakistan erhoben. Die Führer der Taliban und anderer Terrorgruppen lebten in Pakistan und koordinierten von dort die Angriffe in Afghanistan, erklärte Spanta auf einer Pressekonferenz in Kabul. Die Kämpfe würden über die Grenze hinweg koordiniert, betonte er auf Nachfrage.

In Afghanistan kam es in den vergangenen Tagen zu einigen der schwersten Gefechte seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 durch die USA. Bei einem weiteren schweren Gefecht nahe der pakistanischen Grenze wurden am Samstag in der Provinz Kandahar vier Soldaten getötet und 26 verletzt, wie ein US-Militärsprecher am Sonntag mitteilte. Einer der getöteten Soldaten habe den Koalitionsstreitkräften angehört, die anderen drei seien Afghanen gewesen. Das Gefecht habe im Bezirk Spin Boldak stattgefunden.

In der Gegend um Kandahar wurden bei Kämpfen mit Taliban-Rebellen am Samstag auch zwei französische Soldaten getötet, wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilte. In der Provinz Uruzgan kam nach Angaben der Koalitionsstreitkräfte bei einem Feuergefecht am Freitag ein amerikanischer Soldat ums Leben. Sechs weitere seien verletzt worden.

Bei Angriffen auf zwei Konvois der afghanischen Streitkräfte wurden im Süden Afghanistans mindestens 25 mutmaßliche Taliban-Kämpfer sowie fünf Soldaten getötet. Wie ein afghanischer Militärsprecher am Samstag mitteilte, überfielen die Rebellen am Freitagabend in der Provinz Helmand eine Gruppe Soldaten. Bei den bis zum Samstag andauernden Gefechten seien 21 Angreifer und fünf Soldaten ums Leben gekommen. Unter den Opfern sei außerdem eine Zivilperson. Der zweite Überfall ereignete sich am Samstag in der Provinz Sabul. Die Truppen erwiderten das Feuer und erschossen vier Taliban.

Bei einem Autobombenanschlag am Sonntag auf einer belebten Straße in der Hauptstadt Kabul kamen am Sonntag zwei Autofahrer und ein Passant ums Leben. Die Explosion ereignete sich im Osten der Stadt, wo die Stützpunkte vieler ausländischer Truppen sind. Dort wurden bereits häufiger Anschläge verübt. Nach Polizeiangaben dürfte der Fahrer nicht gewusst haben, dass in seinem Taxi eine Bombe versteckt war. Der Sprengsatz sei per Fernzündung zur Explosion gebracht worden.

Die Taliban widersprachen am Samstag Berichten, wonach ihr Kommandant Mullah Dadullah von afghanischen Truppen gefangen genommen worden sei. Die "Marionetten-Regierung" von Präsident Hamid Karzai flüchte sich in Propaganda, um "ihre Niederlage zu verstecken", sagte ein Sprecher AFP. Die afghanischen Behörden wollten am Samstag weiterhin die Identität des ranghohen Taliban nicht bekannt geben, der am Freitag gefasst worden war. Der Kommandant der Armee im Süden, Rahmatullah Raufi, hatte Hinweise darauf gegeben, dass es sich um Dadullah handeln könne.
(apa)

21.5.2006 15:50