Samstag, 20. Mai 2006

"Erinnert an Holocaust": Teheran will Nicht- Moslems mit Farbbändern "kennzeichnen"

  • Neue Kleiderordnung: Gelb für Juden, Christen in rot
  • Plus: Iran ruft Welt zur Rückkehr auf Weg zu Gott auf

Das iranische Parlament hat nach Angaben der Zeitungen "National Post" (Kanada) und "Jerusalem Post" (Israel) vom Freitag ein Gesetz gebilligt, das Nicht-Moslems im Iran zwingen soll, farbige Bänder an ihrer Kleidung zu tragen. Juden müssten demnach gelbe, Christen rote und Zoroastristen blaue Stoffstücke tragen. "Das erinnert an den Holocaust,"erklärte Rabbi Marvin Hier, der Leiter des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles. "Der Iran nähert sich immer weiter der Nazi-Ideologie an".

Das Simon Wiesenthal Center protestierte in einem Brief an UNO-Generalsekretär Kofi Annan gegen das neue iranische Gesetz und rief die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Teheran auszüben, wie ein Sprecher des Centers in Los Angeles der APA gegenüber bestätigte. Die Welt sollte das nicht ignorieren, wie sie einst Hitler ignoriert habe, warnte in dem Schreiben Rabbi Hier.

Das Gesetz über die islamische Kleiderordnung und die Bekleidungsvorschriften für Nicht-Moslems muss den Berichten zufolge noch vom obersten geistlichen Führer des Iran, Ali Khamenei, abgesegnet werden. Die rund 25.000 Juden müssten dann gelbe Stoffstreifen tragen, in der selben Farbe wie die Judensterne unter der Naziherrschaft. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das Gesetz nicht in Kraft gesetzt wird", meinte Hier, "außer, es gibt einen weltweiten Aufschrei dagegen".

Laut dem in Toronto lebenden Exil-Iraner Ali Behroozian könnte das Gesetz bereits Anfang nächsten Jahres in Kraft treten. Damit würden religiöse Minderheiten sofort identifizierbar. Auf diese Weise könnten Moslems den Kontakt mit ihnen vermeiden. Für die religiösen Minderheiten werde sich nach Meinung Behroozian die Lage in dem mehrheitlich von schiitischen Moslems bewohnten Land weiter verschlechtern.

Das neue Gesetz wurde vor zwei Jahren entworfen. Aber erst am Sonntag wurde der Gesetzesentwurf für eine islamische Kleiderordnung im iranischen Parlament, dem Majlis eingebracht, nachdem er das Wohlwollen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gefunden hatte. Ahmadinejad hat wiederholt die Vernichtung Israels gefordert.

Ein Sprecher der iranischen Botschaft in Ottawa wollte sich gegenüber der "National Post" dazu nicht äußern. Dies habe nichts mit Dingen zu tun, die Kanada beträfen, meinte er nur. "Wir sind nicht hier, um solche Fragen zu beantworten".

Den Presseberichten zufolge will Ahmadinejad mit neuen islamischen Uniformen eine optische Gleichheit für die Moslems schaffen, die die Rückkehr des 12. Imam, des "Mahdi" (Erlösers) erwarteten. Nach Meinung von Islam-Experten könnte es sich bei den Kleidungsstücken um als "Sardari" bezeichnete lange Jacken handeln, die im Iran jahrhundertelang getragen wurde.
(APA/red)

20.5.2006 13:41