Landreform in Bolivien gestartet: Präsident Morales übergab 24.800 qm an arme Indios
- In nächsten fünf Jahren werden 200.000 qm verteilt
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Mit der Übergabe von 24.800 Quadratkilometern staatlichen Landes an arme Indios hat der bolivianische Präsident Evo Morales am Samstag eine Bodenreform in Angriff genommen. In der Stadt Santa Cruz im Osten des Landes versammelten sich tausende Ureinwohner, um Besitzurkunden zu erhalten. Zuvor waren Gespräche zwischen Morales und Vertretern der Landwirtschaftsindustrie über die so genannte Agrarrevolution gescheitert. Sie sieht vor, in den kommenden fünf Jahren 200.000 Quadratkilometer Land zu verteilen.
"Wir möchten Bolivien gemeinsam verändern", sagte Morales vor den Indios, denen er eine Fläche von den Ausmaßen Kärntens und der Steiermark überantwortete. "Das Land zurückzubekommen bedeutet, dass wir alle natürlichen Ressourcen zurückbekommen, wir nationalisieren alle natürlichen Ressourcen." Der Präsident hatte vor wenigen Wochen internationales Aufsehen erregt mit seinem Dekret, die reichen Erdgasvorkommen des Landes zu verstaatlichen. "Die größte Notwendigkeit ist jetzt, dass wir unser Territorium zurückbekommen", sagte der Indio-Führer Wilson Chacaray bei dem Festakt. "Die Landbesitzer, die ausländischen Firmen, die politischen Parteien haben uns das Land weggenommen und deswegen leben wir im Elend."
Der Plan heizt die seit langem schwelenden Spannungen zwischen den wohlhabenden Bewohnern der landwirtschaftlich genutzten bolivianischen Ebene und den ärmeren, überwiegend indianischen Völkern der westlichen Hochebene an. Ein Großteil des für die Reform vorgesehenen Gebiets ist brachliegendes staatliches Land in der fruchtbaren östlichen Ebene. Vizelandminister Alejandro Almaraz sagte, die Regierung werde eine nachhaltige Bewirtschaftung sicherstellen. Außerdem werde darauf geachtet, dass keine Wälder oder Naturschutzgebiete betroffen seien.
Für die Reform wurde kein Land beschlagnahmt. Die Regierung hat aber angekündigt, letztlich Privatland zu beschlagnahmen oder umzuverteilen, das nicht produktiv genutzt wird, illegal in Besitz genommen wurde oder zu Spekulationszwecken verwendet wird. Nach Regierungsangaben werden knapp 90 Prozent der produktiven Agrarfläche Boliviens von lediglich 50.000 Familien bewirtschaftet. Diese haben bereits Widerstand gegen die Regierungspläne angekündigt. Ein Vertreter der bolivianischen Landwirtschaftskammer betonte, man sei nicht grundsätzlich gegen eine Landreform. Diese müsse jedoch einhergehen mit Infrastrukturmaßnahmen und entsprechender Ausbildung der neuen Landbesitzer.
(apa)
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