Samstag, 20. Mai 2006

Informeller EU-Umweltrat: Josef Pröll sieht klares Bekenntnis zu Emissionshandel in EU

  • Umweltminister sieht Chancen für Umwelttechnologien durch Zertifikatekauf im Ausland

Ein klares Bekenntnis zum Emissionshandel unter den Mitgliedstaaten ortete Umweltminister Josef Pröll (V) nach dem informellen Umweltrat in Eisenstadt, der am Samstag zu Ende ging. Man sei sich einig, dass das Instrument ein geeignetes Instrument zum Klimaschutz sei, erklärte der Minister bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Eine große Chance für den Sektor Umwelttechnologie sah er im Zukauf von Zertifikaten im Ausland, wie dies über die Joint Implementation- und Clean Development-Mechanismen (JI/CDM) möglich ist.

"Umwelttechnologie wird ein wesentlicher Zukunftsmotor was die Wertschöpfung international betrifft", so Pröll. Bereits jetzt gebe es zahlreiche Kontakte in Entwicklungsländer, um das JI/CDM-Instrument umzusetzen. Der Mechanismus, der im Zuge des Kyoto-Protokolls erarbeitet worden ist, sieht vor, dass reiche Länder in ärmeren und Entwicklungsländer in umweltfreundliche Technologien investieren und dafür Emissionszertifikate gutgeschrieben bekommen.

Dazu gebe es mehrere Abkommen mit Ländern wie China oder Indien, so Pröll. Die Chancen lauern nach Ansicht des Ministers aber auch innerhalb der EU: So seien in den zehn zuletzt beigetretenen Mitgliedstaaten rund 130 Mrd. Euro innerhalb der kommenden Jahre nötig, um den Umweltstandard an den Rest der EU anzupassen.

Umweltkommissar Stavros Dimas kündigte für die Ökotechnologien Finanzierungsinstrumente an. Unter anderem solle es beispielsweise für Klein- und Mittelbetriebe, die neue Technologien auf den Markt bringen, Geldmittel geben. Auch er betonte die Wichtigkeit des Sektors für die EU-Wirtschaft: "Umwelttechnologie ist mittlerweile gleichbedeutend mit der gesamten Luftfahrtsbranche", rechnete Dimas vor.

Zum Emissionshandel meinte Pröll, dass man aus dem abgelaufenen ersten Jahr lernen solle. Wirklich Bilanz ziehen lasse sich allerdings nicht. Die erste Phase des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten war im Jänner 2005 gestartet und teilweise heftigen Preisschwankungen unterworfen gewesen. Bis Ende Juni müssen die Mitgliedstaaten ihre Allokationspläne für die zweite Periode, die 2008 startet, vorlegen. Darin wird der Bedarf der einzelnen Länder für Zertifikate erhoben.
(apa)

20.5.2006 14:31