Montag, 15. Mai 2006

"Friedensdialog" mit 2.000 Studenten: Dalai
Lama plädierte an Uni für Herzensbildung

  • Ehrenmitgliedschaft der Klagenfurter Uni verliehen
  • Peinlicher Versprecher sorgte für heftiges Gelächter

Überfüllte Hörsäle sind in Österreichs Universitäten an der Tagesordnung, am Montagvormittag in der Klagenfurter Alpen-Adria-Uni hatte der Andrang aber einen prominenten Grund: Der Dalai Lama war für einen "Friedensdialog" zu Gast. Über 2.000 Studierende hatten der Einladung Folge geleistet. Das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter plädierte für mehr Herzensbildung, die neben intellektuellem Wissen der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander sei.

In modernen Ausbildungssystemen gebe es hier Lücken, meinte der Friedensnobelpreisträger. Die Vermittlung ethischer Werte sei früher von Religionsgemeinschaften und der Familie übernommen worden, doch deren Einfluss sei im Schwinden: "Niemand kümmert sich um die inneren Werte." Hier seien die Ausbildungsinstitutionen gefordert, denn Intelligenz alleine könne nichts zum Frieden beitragen, wenn sie "von Hass geleitet" wirke.

Dem 14. Dalai Lama, Tenzon Gyatso, der in Kärnten zu Besuch war, wurde zum Abschluss seiner Visite die Ehrenmitgliedschaft der Klagenfurter Uni verliehen. "Als Ehrenmitglied hat man sicher Rechte und Pflichten - ich frage mich, jetzt, welche Pflichten?", schmunzelte der hohe Gast. Wenn die geplante Privatuniversität für tibetische Studien bei Hüttenberg tatsächlich entsteht, könnte es sein, dass er "von Zeit zu Zeit" auch an der Uni in Klagenfurt vorbeischaue, sagte er. Uni-Rektor Heinrich Mayr verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, mit der neuen Institution "in einen Diskurs zu treten".

Vom Leiter des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Uni, Werner Wintersteiner, hörte der Dalai Lama kurz vor seinem Abflug auch noch die zweite Landessprache Kärntens: Wintersteiner begrüßte den als Gottkönig Verehrten auf Slowenisch und merkte in seiner Rede an, dass auch die Sicherung der Rechte ethnischer Minderheiten zum Frieden beitrage. Dafür gab es stürmischen Applaus aus Teilen des Saales. Und auch im Bücherpaket, das der Dalai Lama vom Rektor als Präsent überreicht bekam, fand sich ein Werk über die Kärntner Slowenen.

"Heiligkeit" färbt auf Haider ab
Sein bildhafter Jesus-Vergleich hatte zu Jahresanfang zu breiter kirchlicher Kritik geführt, diesmal aber konnte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (B) wirklich nichts dafür. Beim Besuch des Dalai Lama färbte ein wenig Heiligkeit auf ihn ab. Grund war ein Versprecher von ORF-Moderator Carl Hannes Planton: Der Dalai Lama "und seine Heiligkeit, der Landeshauptmann" seien bereits auf dem Weg, versicherte er der wartenden Menge in Klagenfurt - und erntete herzliche Lacher für diesen Lapsus. (apa/red)

15.5.2006 13:19