Montag, 15. Mai 2006

Harter Kampf um die Wildnis: In Österreich entstanden in 25 Jahren sechs Nationalparks

  • Idee kam hierzulande erst in den 70er Jahren auf
  • PLUS Diashow: Die letzten grünen Oasen Österreichs

Die Idee der Nationalparks ist alt - und dem Kopf des Nordamerikaners David Henry Thoreau entsprungen. Mit der Eröffnung des Yellowstone National Parks wurde in der Heimat des Vordenkers bereits 1872 ein großer Schritt in Richtung Wildnisschutz getan. So gesehen gehört Österreich mit seinen gerade einmal 25 Jahren Nationalparkgeschichte zu den Spätzündern. "Mit der Wildnis ist es eben wie mit der Gesundheit. Ihr Wert wächst erst, wenn sie schwindet", weiß Bernd Lötsch, Direktor des Naturhistorischen Museums und Umweltschutzpionier. "Darum ist das Thema Nationalpark bei uns erst in den 70er Jahren wirklich aktuell geworden. Dann waren wir aber Gott sei Dank schnell: sechs Nationalparks in 25 Jahren sind eine tolle Errungenschaft!"

Eine Errungenschaft allerdings, die heimischen Naturschützern viel Geduld und oft auch Mut abverlangte: 1971 schien die Eröffnung des ersten österreichischen Nationalparks bereits so gut wie gewiss. Mit der Vereinbarung von Heiligenblut versprachen die Landeshauptleute von Kärnten, Salzburg und Tirol, einen Nationalpark Hohe Tauern zu schaffen. Doch erst zehn Jahre später setzte Kärnten ein Zeichen und nominierte seine Fläche, zwei Jahre später folgte der Salzburger Anteil. "Doch Tirol tat sich schwer. Die Energiewirtschaft hatte die Umbalwasserfälle im Visier, und ein Gletscherskigebiet am Großvenediger nahm bereits konkrete Formen an! Manche Politiker wollten lange Zeit einfach nicht begreifen, dass eine Nationalparkerklärung nach internationalen Richtlinien einen Nutzungsverzicht mit sich bringt. Und zwar für die E-Wirtschaft, für die Tourismuserschließung und für Jagd und Forst!", erinnert sich Lötsch. So komplettierten die Osttiroler Anteile des Großschutzgebiets Hohe Tauern erst 1992 den ersten der sechs Nationalparks Österreichs.

Besetzung der Donau-Auen führte zu größtem Konflikt
Die massivsten Konflikte in der österreichischen Nationalparkgeschichte wurden rund um die an Wien angrenzenden Donau-Auen ausgetragen. Ab 1982 drohte mit dem seit 1952 geplanten Bau eines Wasserkraftwerkes in Hainburg die Zerstörung eines der letzten frei fließenden Donauabschnitte mit seinen Auwäldern. Trotz unzähliger Proteste von Umweltschutzorganisationen und dem Engagement vieler Prominenter genehmigte der niederösterreichische Landesrat Ernest Brezovsky im November 1984 den Kraftwerksbau. Im Dezember - zu Beginn der Rodungen - kam es zu ersten Aubesetzungen. Vorbild waren dabei die bereits im Sommer 1984 stattgefundenen Besetzungen des Reichraminger Hintergebirges in den Kalkalpen. Trotz Polizeiaktionen hielten die Demonstranten in den Donau-Auen Stellung, ihre Zahl wuchs bis zu den Weihnachtsfeiertagen auf 7.000 an.

Bis zu 7.000 Besetzern in Hainburg
Schlussendlich wurde der Einsatz mit Erfolg gekrönt: "Am 2. 1. 1985 hob der Verwaltungsgerichtshof den Wasserrechtsbescheid für das Kraftwerk Hainburg wegen Rechtswidrigkeit auf. Durch die Besetzungen haben wir den notwendigen Zeitgewinn erbracht, den der Verwaltungsgerichtshof für sein Urteil brauchte", resümiert Bernd Lötsch, der damals selbst an vorderster Front gegen den Kraftwerksbau demonstriert hatte. 1986 begann unter seiner Führung die Planungsphase für den Nationalpark Donau-Auen. Doch es dauerte weitere zehn konfliktreiche Jahre, bis das Wildnisschutzprojekt am Rande der Bundeshauptstadt endlich realisiert werden konnte.

Lesen Sie die ganze Geschichte der Nationalparks im aktuellen NEWS!
PLUS: NEWS hat die besten BILDER der österreichischen Nationalparks!

15.5.2006 10:35