Mittwoch, 10. Mai 2006

Vorstoß auf Platz 13: Standort Österreich
holt bei Wettbewerbsfähigkeit wieder auf

  • Heimischer Markt liegt deutlich vor Deutschland
  • USA weiter Spitze - PLUS: Welt-Ranking im Überblick

Österreich hat als Wirtschaftsstandort wieder an Attraktivität gewonnen. Wie aus dem soeben veröffentlichten "World Competitiveness Report 2006" des Lausanner Instituts für Management-Entwicklung (IMD) hervorgeht, hat sich Österreich in der Rangliste vom 17. auf den 13. Platz verbessert. Damit liegt Österreich zwar hinter den europäischen Ländern Island (4), Dänemark (5), Schweiz (8), Luxemburg (9), Finnland (10), Irland (11) und Norwegen (12), aber wieder vor Bayern (16) und deutlich vor Deutschland, das um drei Plätze auf den 26. Rang zurückgefallen ist.

In der IMD-Indexliste haben die USA weiterhin den Spitzenplatz inne. Dahinter liegen erneut Hongkong und Singapur. Die Differenz nach Punkten zeigt, dass die USA an Vorsprung eingebüßt haben. Die Experten des Lausanner Instituts führen dies unter anderem auf eine unterschiedliche Entwicklung in Politik und Wirtschaft zurück. So ist die US-Wirtschaft 2005 zwar um 3,5 Prozent gewachsen; das Budgetdefizit hat sich aber gleichzeitig auf 318 Mrd. Dollar erhöht und der Schuldenstand erreichte 8.000 Mrd. Dollar.

Auch Italien, Frankreich und einige lateinamerikanische Staaten scheinen vor demselben Problem zu stehen, dass die Regierung versagt hat, etwas zur Wettbewerbsfähigkeit ihres Landes beizutragen oder sich sogar als Belastung darstellt, analysieren die IMD-Experten. Hongkong und Singapur haben zu den USA weiter aufgeholt, weil deren Regierungen dagegen viel stärker mit der wirtschaftlichen Entwicklung synchron laufen. Finnland und Dänemark seien ebenfalls positive Beispiele.

In der seit 1989 durchgeführten Studie werden insgesamt 61 Länder und Regionen nach 312 Kriterien auf ihre Position im internationalen Wettbewerb untersucht. Gemessen wird dabei das "Umfeld", in dem die Unternehmen in einem Land arbeiten können. Zu einem Großteil fließen dabei harte Fakten aus den vier Teilbereichen Konjunkturentwicklung, wirtschaftliche sowie politische Effizienz und Infrastruktur ein, aber auch Managerumfragen werden berücksichtigt.

Wirtschaft effizienter, Infrastruktur besser
Österreich hat mit Platz 13 im Wettbewerbsbericht des Lausanner Instituts für Management-Entwicklung (IMD) wieder seinen langjährigen Durchschnittswert erreicht. Seit 2001 pendelte die Alpenrepublik zwischen dem 14. und dem 13. Rang. Mit der Bewertung des Vorjahres auf Platz 17 fuhr Österreich das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren ein.

Verbessern konnte sich der Wirtschaftsstandort Österreich hinsichtlich der wirtschaftlichen und politischen Effizienz sowie im Bereich Infrastruktur. In der Bewertung der Konjunkturentwicklung fiel Österreich dagegen zurück: Während die Außenhandelsentwicklung, die geringe Jugendarbeitslosigkeit, die hohe Kaufkraft und das BIP pro Kopf als Stärken für den Wirtschaftsstandort Österreich gesehen werden, finden sich reales BIP-Wachstum, Lebenshaltungskosten, Direktinvestitionen und Beschäftigung auf der Negativseite.

Bei der wirtschaftlichen Effizienz wird unter anderem das gute Angebot an Fachkräften, die im internationalen Vergleich effizienten KMUs, die hohe soziale Verantwortung von Managern gegenüber der Gesellschaft und die hohe Arbeitsmotivation der Österreicher positiv ins Treffen geführt. An Schwächen sieht das IMD hier die durchschnittliche Arbeitszeit, die Börsenkapitalisierung in Relation zum BIP oder aber auch die Managergehälter.

Als Stärken im Bereich politische Effizienz führt das Institut das Rechtssystem, die nicht wettbewerbsverzerrenden Förderungen, das effiziente Wettbewerbsrecht und eine Besteuerung von Firmen, die Unternehmertum nicht behindert. Nach wie vor kritisch für den Wirtschaftsstandort sehen die IMD-Experten die Steuerbelastung, die überdurchschnittlich hohen Sozialbeiträge und die restriktiven Einwanderungsgesetze.

In der Infrastruktur konnte Österreich bezüglich Nachhaltigkeit in Unternehmen, Gesundheitsversorgung, Umweltbelastung und Bildungssystem punkten. An Schwächen sieht man hier die vergleichsweise hohen Kosten bei Internet und Mobiltelefonie sowie bei Strom für Industriekunden. Auch die geringen Investitionen in die Telekommunikation in Relation zum BIP werden auf der Negativseite angeführt.

Schließlich sieht das renommierte Institut auch eine Reihe an Herausforderungen für Österreich im laufenden Jahr: So sollte die Steuerreform fortgesetzt werden, um Auslandsinvestitionen anzuziehen. Zudem rät das IMD, die Aufhol-Strategie in Richtung internationale Standards bei Forschung und Entwicklung beizubehalten. Die Regierung sollte stärker auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingehen und Reformen in der Administration in Angriff nehmen. Die Kyoto-Verpflichtungen sollte Österreich in einer kostengünstigen Art und Weise zu erfüllen versuchen.

Die Top 20 Länder im Wettbewerbsranking:
.BewertungRang 20062005
USA100,011
Hongkong96,922
Singapur91,033
Island90,244
Dänemark86,057
Australien82,569
Kanada81,775
Schweiz81,588
Luxemburg81,5910
Finnland80,9106
Irland80,61112
Norwegen79,71215
Österreich79,31317
Schweden77,01414
Niederlande75,91513
Bayern75,51618
Japan74,21721
Taiwan73,01811
China71,51931
Estland71,42026


(apa/red)

10.5.2006 10:43