Neuer Rekord: Österreichs Unternehmen investierten 7,5 Milliarden Euro im Ausland!
- Fast die Hälfte floss nach Zentral- und Osteuropa
- Neuinvestitionen meist Banken und Versicherungen
·Unsere Wirtschaft wächst heuer um 2,5%
EU-Prognose: Kein Rück- gang bei Arbeitslosigkeit
Mit 7,5 Mrd. Euro erreichten die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland im Jahr 2005 einen neuen Rekord. Fast jeder zweite Euro, nämlich ein Anteil von 46 Prozent, floss nach Zentral- und Osteuropa. Auch die Direktinvestitionen des Auslands in Österreich erreichten mit netto 7,2 Mrd. Euro das bisher zweithöchste Niveau. Die meisten Direktinvestitionen kamen aus Deutschland und Italien, so die Oesterreichische Nationalbank (OeNB).
Mittel- und Ost-Europa (CEE) war mit einem Anteil von 46 Prozent auch 2005 die bedeutendste Zielregion für österreichische Direktinvestitionen. Wichtigstes Einzelland war jedoch Deutschland mit einem Investitionsvolumen von 1,6 Mrd. Euro. Auf den Plätzen zwei, drei und vier folgen die Ukraine, Bulgarien und Rumänien. Die Beteiligung der Erste Bank an der rumänischen Banca Comerciala Romana, die vertraglich noch im Dezember 2005 fixiert worden war, ist in den Daten des Jahres 2005 allerdings nicht enthalten.
Die neuen EU-Mitglieder haben seit dem Beitritt viel weniger österreichisches Kapital angezogen: In allen neuen Mitgliedsländern waren die im Jahr 2005 investierten Beträge weit von den historischen Höchstwerten entfernt. Nur in Slowenien erreichten die Investitionen mit 240 Mio. Euro eine nennenswerte Größenordnung. In Ungarn und Polen hingegen bestehen die neu veranlagten Beträge überwiegend aus reinvestierten Gewinnen. Relativ attraktiv scheinen für österreichische Investoren derzeit hingegen Serbien-Montenegro und Bosnien-Herzegowina, wo 150 bzw. 90 Mio. Euro investiert wurden.
Boom-Land China
Nach China, dem Boomland ausländischer Direktinvestitionen, flossen im Jahr 2005 über 100 Mio. Euro. Dies stellt zwar einen historischen Höchstwert dar, bedeutet aber nur Platz 18 in der Liste der österreichischen Zielregionen. Aus der Sicht Chinas, mit zuletzt mehr als 60 Mrd. Dollar (47,3 Mrd. Euro) an Direktinvestitionen, ist der Betrag praktisch vernachlässigbar.
7,5 Mrd. Euro veranlagten heimische Investoren im Jahr 2005 in strategische Firmenbeteiligungen. Zwar lagen die Bruttoinvestitionen an Eigenkapital geringfügig unter dem Vorjahreswert, da jedoch die Desinvestitionen mit 2 Mrd. Euro um etwa ein Drittel rückläufig waren, erreichte die Eigenkapitalzufuhr 5,5 Mrd. Euro netto.
Gewinne mit Erträgen
Darin enthalten sind Immobilieninvestitionen im Wert von 460 Mio. Euro, die damit ebenfalls ein neues Maximum erreichten. Da die heimischen Auslandbeteiligungen zunehmend höhere Erträge abwerfen, wächst auch die Bedeutung der reinvestierten Gewinne. Nach vorläufigen Schätzungen trugen sie 2005 mit 1,1 Mrd. Euro zum außergewöhnlichen Jahresresultat bei. Nicht unerheblich war auch die Rolle der konzerninternen Kreditbeziehungen als Finanzierungsform mit einem Volumen von 870 Mio. Euro.
Dominierender Sektor bei den Neuinvestitionen waren Banken und Versicherungen. Daneben sind vor allem die Großinvestitionen der Telekom Austria und der OMV erwähnenswert. Weniger spektakulär aber kontinuierlich engagieren sich Handelsunternehmen im Ausland. Die große Zahl industrieller Investoren reichte von der Nahrungsmittelindustrie über den Maschinenbau bis zur Papierindustrie.
Die passiven Direktinvestitionen erreichten im Jahr 2005 mit netto 7,2 Mrd. Euro ein hohes Niveau, das bisher nur im Jahr 2000, dem Jahr der Übernahme der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) durch die Münchner HypoVereinsbank (HVB), übertroffen worden ist.
Konzerninterne Kredite ausgeprägt
Trotz beachtlicher Desinvestitionen (4,1 Mrd. Euro) ergab sich dank hoher Eigenkapitalzuflüsse ein Nettozufluss an Eigenkapital von 4,9 Mrd. Euro, so die Nationalbank. Etwas zurückgegangen ist der darin enthaltene Erwerb von Immobilien durch Ausländer im Umfang von 440 Mio. Euro. Die reinvestierten Gewinne erreichten ein Volumen von 1,3 Mrd. Euro, was dem Durchschnitt der letzten Jahre entspricht. Relativ ausgeprägt war auch auf der Seite der passiven Direktinvestitionen die Rolle der konzerninternen Kredite, über die den österreichischen Tochterunternehmen beinahe 1 Mrd. Euro an Kapital bereitgestellt wurde.
Die größte Transaktion des Jahres betraf die BA-CA. Zwar findet die Übernahme der HVB durch die italienische UniCredit in der österreichischen Zahlungsbilanz keinen Niederschlag, jedoch wird der Aufkauf des Großteils des Streubesitzes an BA-CA-Aktien durch die UniCredit deutlich sichtbar. Er steht hinter dem herausragenden Investitionsvolumen von 2,2 Mrd. Euro aus Italien. Dennoch war auch 2005 Deutschland mit 3,4 Mrd. Euro erneut der mit Abstand wichtigste Investor. Zusammen mit Luxemburg, wo zumeist über Holdinggesellschaften Mittel zur Konzernfinanzierung verteilt werden, deckten diese drei Länder 90 Prozent des Investitionsflusses nach Österreich ab.
Unter Branchengesichtspunkten waren neben dem Bankensektor vor allem Handelsunternehmen, der Telekomsektor, KfZ-Zulieferer und die Chemie- und Kunststoffindustrie Ziel ausländischen Interesses.
Insgesamt verzeichnete die Statistik des Jahres 2005 rund 370 inländische Investoren, die etwa 500 Investitionsprojekte von mindestens 1 Million Euro in 106 Ländern der Welt umsetzten, während gleichzeitig 200 größere Investitionsprojekte aus 71 Ländern in Österreich registriert wurden.
(apa/red)

