Montag, 8. Mai 2006

Middlesbrough gegen Sevilla: Erst zweites englisch-spanisches Endspiel im UEFA-Cup

  • Pogatetz-Klub will Abschiedsgeschenk für McClaren
  • Auch Polsters Ex-Verein zuversichtlich: 50:50-Chance

Erst zum zweiten Mal nach 2001 (FC Liverpool 5:4-Sieger nach Verlängerung in Dortmund gegen Deportivo Alaves) kommt es in der Geschichte des 1971 einführten Fußball-UEFA-Cups zu einem spanisch-englischen Endspiel. Im Eindhovener Philips-Stadion treffen am Mittwoch Middlesbrough und FC Sevilla aufeinander. Der aktuelle englische Arbeitgeber des derzeit verletzten ÖFB-Legionärs Emanuel Pogatetz ist ebenso ein Finaldebütant wie der spanische Ex-Klub (1988 bis 1991) der Austria-Ikone Toni Polster.

Die Zuversicht auf den größten Coup der Vereinshistorie ist im Nordosten Englands ebenso groß wie in Andalusien. Da wie dort hat man das Erbe von ZSKA Moskau im Visier. "Der FC Sevilla befindet sich zwar in bestechender Form, ist aber nicht Favorit. Die Chancen stehen 50:50", sagte Sevillas Präsident Jose Mario del Nido. Er wird nach Eindhoven von rund 12.000 FC-Fans begleitet werden. Dafür wurden u.a. 40 Flugzeuge gechartert. In Sevilla werden in einer Halle mit einer großen Vidi-Wall rund 10.000 Menschen die Live-Übertragung verfolgen.

Trainer Juande Ramos hofft, bis auf Verteidiger Pablo Ruiz die beste Elf stellen zu können. Stürmer Frederic Kanoute und Abwehrmann Ivica Dragutinovic haben ihre Blessuren auskuriert, ihnen fehlt aber noch die Spielpraxis, daher sind beide fraglich. Am Samstag gewann Sevilla mit einer B-Auswahl auswärts gegen Absteiger Malaga im Schongang 2:0. In der Premier Division sind die Rotweißen schon wieder fix für den UEFA-Cup qualifiziert, verdrängen sie Osasuna vom vierten Rang, winkt sogar die Champions-League-Qualifikation.

Boro möchte seinem nach der WM zum englischen Teamchef und Eriksson-Nachfolger aufsteigenden 45-jährigen Trainer einen erfolgreichen Abschied bescheren. "Natürlich wollen wir Steve McClaren ein passendes Geschenk mitgeben", sagte der englische Ex-Teamspieler Gareth Southgate stellvertretend für Hasselbaink und Co. Auch Middlesbrough hat am Wochenende gegen Fulham (0:1) Kräfte geschont, 16 Mann mit einem Durchschnittsalter von gerade mal 20 Jahren aufgeboten.

Während Torhüter Mark Schwarzer nach seinem Jocheinbruch mit einer Gesichtsmaske spielen will, wird Pogatetz nach seinen gegen den FC Basel erlittenen schweren Gesichtsverletzungen (Bruch des Nasen- und Backknochens) sicher nur die Daumen drücken können. Die Engländer, die in den vergangenen fünf Jahren unter McClaren 81 Mio. Euro in Transfers investiert haben, setzen dafür wieder auf "Jolly Joker" Massimo Maccarone.

Der Stürmer hat sich im UEFA-Cup Kultstatus unter den Fans erworben. Er war es mit seinen späten Toren, der Boro in der Gruppenphase gegen Litex Lowetsch (2:0), im Viertelfinale gegen die Schweizer (viertes Tor zum 4:1-Heimsieg) und im Halbfinale (zwei Treffer zum 4:2) stets am Fußball-Leben hielt. Dabei hatte er in der Saison das Reservistendasein ausführlich kennen gelernt.

In der vergangenen Saison war der Italiener auf Leihbasis in seiner Heimat (Parma und Siena), ein Transfer kam nicht zu Stande und so kehrte er als vierter Angreifer nach Middlesbrough zurück. Im September erzielte Maccarone den Siegestreffer gegen Champions-League-Finalist Arsenal und auch in weiterer Folge ergriff er als Ersatzspieler immer seine Chance. "Ans Finale werde ich mich mein ganzes Leben erinnern. Ich freu mich besonders für die Fans", meinte der Azzurro.

(apa/red)

8.5.2006 14:21