"Haarsträubender Humbug": Theologen laufen Sturm gegen Thesen in "Sakrileg"!
- Katholiken & Protestanten widersprechen Ehe-These
- Hatte Jesus mit Maria Magdalena eine Tochter?
Noch vor seinem eigentlichen Kinostart sorgt die Verfilmung von Dan Browns Megaseller "The Da Vinci Code" für Wirbel in der Kirche. Grund ist die Annahme, auf der Buch und Film basieren, dass neben den bekannten Jesusüberlieferungen der Bibel alternative Facetten des Lebens und der Botschaft Jesu existieren, die von der Kirche gewaltsam unterdrückt wurden und werden. Besonders brisant ist die Hypothese, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war und mit ihr eine gemeinsame Tochter gezeugt haben soll.
Derartige Thesen haben kirchliche Würdenträger weltweit zu scharfer Kritik und Gegendarstellungen veranlasst. Unlängst hat auch die Diözese Graz-Seckau unter Medienbischof Egon Kapellari "Anmerkungen zu Dan Browns 'Sakrileg'" veröffentlicht, in denen sie die ihrer Meinung nach falschen Behauptungen richtig stellt.
Zur angeblichen Ehe Jesu mit Maria Magdalena heißt es dort: "Es stimmt, dass die Ehe für jüdische Männer prinzipiell verpflichtend war. Es gab aber Ausnahmen. Diese betrafen u.a. Wanderprediger wie Johannes den Täufer, da diese für eine Familie nicht sorgen konnten." Nach der Darstellung der Evangelien sei davon auszugehen, dass Jesus unverheiratet war. Dass Maria zur Zeit der Kreuzigung schwanger gewesen sei und nach Gallien floh, wie in Browns Roman behauptet wird, sei "haarsträubender Humbug", so die deutlichen Worte der katholischen Kirche.
Einer entsprechenden Meinung ist auch die evangelische Kirche. Bischof Herwig Sturm ist überzeugt, dass die Evangelisten von einer Ehe und einer Tochter Jesu berichtet und versucht hätten, diese Tatsachen theologisch zu deuten. Nur sei es eben nicht so gewesen. Gerade im Neuen Testament seien Frauen dermaßen präsent, dass es einer "revolutionären Tat" gleichgekommen wäre, eine Selbstverständlichkeit, wie die Ehefrau Jesu, zu verschweigen.
Nicht nur die Kirche auch die Wissenschaft hält Browns Annahmen für "abenteuerlichen Unsinn". Der katholische Bibelwissenschafter Roman Kühschelm betont, dass man zwar von einer "besonderen", nicht aber einer sexuellen Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena ausgehen kann. Die herausgehobene Position der Jüngerin zeige ihre häufige Erwähnung in den Evangelien: Demzufolge wurden ihr von Jesus Dämonen ausgetrieben, außerdem war sie Zeugin von Jesu Tod und Auferstehung.
In der gnostischen Literatur habe Maria Magdalena ebenfalls eine besondere Rolle gespielt - hier ist sogar die Eifersucht einiger männlicher Jünger auf die Begleiterin Jesu dokumentiert. Von einer sexuellen Verbindung dürfe man aber dennoch nicht ausgehen, so Kühschelm.
Genau so sieht es Wilhelm Pratscher, Neutestamentler an der evangelischen Fakultät der Universität Wien: "Jesus und seine Jünger sind damals davon ausgegangen, dass das Ende der Welt nahe ist. Es wäre widersinnig, wenn Jesus da noch Kinder in die Welt gesetzt hätte." Außerdem war Jesus kein Familienmensch im weltlichen Sinn - das würden selbst die ältesten verfügbaren Quellen belegen.
Ein Dorn im Auge der Kirche ist auch die These Browns, dass Jesus selbst wie alle Menschen normalsterblich gewesen sei. Er sei erst von Kaiser Konstantin beim Konzil von Nicäa (325) aus handfesten politischen Gründen zum Sohn Gottes ernannt worden. Gerd Theißen von der Universität Heidelberg, ein renommierter Theologe auf dem Gebiet der historischen Jesus-Forschung, betonte gegenüber der APA, dass sich Jesus selbst eine entscheidende Rolle zwischen Gott und Mensch zugeschrieben habe. "Mit ihm kommt die Gottesherrschaft. Die posthume Erhöhung in einen gottgleichen Status hat insofern einen Anknüpfungspunkt bei ihm." Allerdings hätte sich Jesus selbst Gott untergeordnet. Erst "das Urchristentum 'inthronisierte' ihn neben Gott."
Die Diözese Graz-Seckau schreibt in ihren "Anmerkungen": Bereits in den Anfängen des Christentums wurde Jesus als Sohn Gottes verehrt. Das Konzil von Nicäa habe anschließend lediglich diskutiert, wie man diese Göttlichkeit Christi zu verstehen habe. Dass sich eine Glaubensgemeinschaft, die noch kürzlich unter Verfolgung litt und sich dem Martyrium aussetzte, irgendwelche Glaubensinhalte von staatlicher Seite diktieren hätte lassen, sei logisch nicht nachvollziehbar. (apa)
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