Dan Brown im Porträt: Humanistischer Renaissance-Fan und scheuer Rätselknacker
- Starautor gilt hinlänglich als akribischer Rechercheur
- "Sakrileg" weltweit an die 50 Millionen Mal verkauft

"Viel Lärm um nichts" aus der Feder des Jahrhunderte überdauernden Bestseller-Autors William Shakespeare zählt er zu seinen Lieblingswerken. Als Begründung meint der heutige Megaseller und Starautor aus New Hampshire, Dan Brown, auf seiner Homepage: "Witzigere Dialoge sind nie geschrieben worden". Seine eigenen fand die professionelle Kritik bisher nach vier Thrillern weniger gut. Dennoch verkaufte sich "The Da Vinci Code" (Deutsch: "Sakrileg") weltweit an die 50 Millionen Mal. Eine hohe Vorgabe für den Nachfolgeroman über die Freimaurer, "The Solomon Key", der frühestens 2007 erscheinen wird.
Weder finanzielle Not, noch sein Verlag Doubleday drängen Brown zur Eile. Im Gegenteil, von letzterem erhielt er sogar 400.000 Dollar vorgestreckt. So heißt es jedenfalls in Lisa Rogaks Biografie "Dan Brown. Der Mann hinter dem Da-VinciCode" (2005 erschienen), eines von rund 25 Büchern, die im Fahrwasser von Dan Brown auf den Markt kamen. Darin geht es um den als scheu geltenden Autor, aber mehr noch um dessen antikatholische Thesen aus dem Megaseller "Sakrileg". Diese sorgten für allergrößte Unruhe, sowohl unter Autoren-Kollegen, die sich geistig bestohlen wähnten, aber auch in hohen geistlichen Kreisen der Kirche. Der Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone, schimpfte in der New York Times über "Sakrileg": "Ein Sack voller Lügen".
Generell unterstellte man Brown einen wenig zimperlichen Umgang mit historischen Fakten und Dokumenten, wenn gleich man dem als akribisch geltenden Rechercheur damit vielleicht Unrecht tut. Zumal das übergeordnete Thema von Sakrileg, die Theorie von der systematischen Verdrängung Maria Magdalenas aus der Institution Kirche, Brown seit Jugendjahren beschäftigte. Gleiches gilt für Rätselaufgaben und Geheimgesellschaften. Brown: "New England hat eine lange Tradition, was elitäre Vereine, Bruderschaften und Geheimniskrämerei anbelangt".
Sohn eines Mathematikprofessors & einer Kirchenmusikerin
Der am 22. 6. 1964 in New Hampshire geborene Brown ist der Sohn eines renommierten Mathematikprofessors, und einer Kirchenmusikerin. Früh wurde er daheim trainiert, Denksportaufgaben zu lösen, und mathematische Codes zu knacken. An das weihnachtliche "Christmas Morning Treasure Hunt" erinnerte er sich in Interviews gern, als er und seine beiden Geschwister ihre Geschenke mittels Schatzkarte suchen mussten. Humanistische Bildung bedeutete viel im Hause Brown, und der spätere Renaissance-Fan und Bewunderer Leonardos besuchte zuerst die elitäre Phillips Exeter Academy, und absolvierte dann das noble Amherst College.
Im Rahmen seines Auslandsjahres an der Universität Sevilla erfuhr er während eines Seminars erstmals vom angeblichen Umstand, dass in Leonardo da Vincis Secco-Gemälde "Das letzte Abendmahl" eine Frau zur Rechten Jesu sitzen soll, und zwar Maria Magdalena, die entgegen den Glaubenssätzen der Bibel mit Jesus verheiratet gewesen sein soll. Die Grundidee für "The Da Vinci Code" war somit geboren.
"Die Ideen sind nicht meine eigenen"
Auf der deutschsprachigen Website http://www.dan-brown.de, die von der Verlagsgruppe Lübbe betreut wird, sagt Dan Brown über "Sakrileg": "Die Ideen in diesem Roman sind seit Jahrhunderten bekannt; es sind nicht meine eigenen". Dies meinte auch der Autor Lewis Perdue, der 1983 den Roman "The Da Vinci Legacy" verfasste. Einer Plagiats-Klage kam Browns Verlag zuvor und erwirkte gerichtlich ein Feststellungsurteil, dass kein Urheberrechtsverstoß ausgemacht werden konnte.
Abgewiesen wurde kürzlich eine Plagiats-Klage der Sachbuchautoren Richard Leigh und Michael Baigent, die gern 15 Millionen Dollar vom gigantischen Brown'schen Umsatzkuchen mitgenascht hätten. Keine Chance hatte zuletzt auch George B. Daniels, dessen Klage ebenfalls nicht stattgegeben wurde. Es würde auch schwer zum allgemeinen Bild Browns passen, solche Hürden nicht mit einzukalkulieren. Strategisches Vorgehen scheint seinem Naturell zu entsprechen.
Nach dem Studium, das ihn zum Englischlehrer ausgebildet hatte, zog er nach Los Angeles, um eine Karriere als Popsänger zu beginnen. Tatsächlich veröffentlichte er zwei CDs, die angeblich wie eine Kreuzung aus Barry Manilow und Shaun Cassidy klingen sollen. Aber vor allem lernte er dort seine spätere Frau Blythe kennen, die ihn seither managt und seine Recherchen mitträgt.
Die Musikerlaufbahn entwickelte sich jedoch trotz genauer Planungen Browns nicht ideal, und 1993 zog er zurück nach New Hampshire. Als Autor versuchte er sich zunächst im humoristischen Genre. "187 Men to avoid. A Guide for the Romantically Frustrated Woman" erschien unter dem Pseudonym Danielle Brown. Dann folgte der Wechsel zum Krimi-Genre, und 1996 erschien "Digital Fortress" ("Diabolus") zunächst als E-Book. Ein Zwischenspiel folgte noch mit "The Bald Book" als Trostschrift für männliche Glatzenträger, das trotz offizieller Autorenschaft von Ehefrau Blythe Brown aus seiner Feder stammen soll. Es erschien 1998, kurz nach dem "Digital Fortress" als Taschenbuch erschien.
Brown nicht immer erfolgreich
Schon bei "Diabolus" zeichnete sich das Recherche-Talent Browns ab, der auch viel mit Internet-Newsgroups arbeitet. Die Rezensionen waren passabel, wie auch bei den folgenden Thrillern "Angels and Demons" ("Illuminati", 2000) und "Deception Point" ("Meteor", 2001). Nicht gut waren die Verkaufszahlen, denn laut Biografin Rogak gingen in den USA von allen drei Büchern lediglich an die 20.000 Stück über den Ladentisch. Und dann kam "The Da Vinci Code" 2003 ("Sakrileg"), das mit einer Erstauflage von 230.000 Exemplaren bei Doubleday startete. Grund dafür war das große Interesse der Buchhandlungen, nachdem die verteilten Fahnenabzüge für Aufsehen gesorgt hatten.
War "Sakrileg" letzte Chance?
Brown soll sich seiner "letzten Chance" als erfolgreicher Thriller-Autor bewusst gewesen sein, und bereitete "Sakrileg" nach einer Art Masterplan vor. Die Kombination Religion, Sex und Mystik schien aussichtsreich, die bespielten Orte sollten berühmt und nachvollziehbar sein. Die Story musste rasant und voller dramaturgischer Cliffhanger geschrieben sein, und tatsächlich sieht der Leser schon während der Lektüre dank des Drehbuch-Stils einen atemberaubenden Action-Film vor sich. Auch war Brown zu der Überzeugung gelangt, dass neben fundamentalem Fakten-Wissen ein bewährter Protagonist wie der attraktive und umfassend gebildete Harvard-Professor Robert Langdon, aus "Illuminati" bekannt, her musste. Brown bezeichnet den Kunstexperten und Symbologen auch gern als "Alter Ego" und "der Mann, der ich gern wäre", denn: "Langdon ist viel cooler als ich". (apa/red)
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