Dienstag, 9. Mai 2006

"Wunder" auf Tasmanien: Australische Bergleute nach zwei Wochen gerettet!

  • Männer harrten in Stahlkäfig in 1.000 m Tiefe aus

Nach zwei Wochen unter Tag sind die beiden in Australien verschütteten Bergarbeiter in einer dramatischen Rettungsaktion lebend geborgen worden. Unter dem Jubel ihrer Angehörigen und Freunde und in erstaunlich guter körperlicher Verfassung kehrten der 35-jährige Todd Russell und sein 37-jähriger Kollege Brant Webb am Dienstag (Ortszeit) an die Erdoberfläche zurück.

Überglücklich schlossen die Kumpel ihre Familien in die Arme und stießen Freudenrufe aus, während die Kirchenglocken des tasmanischen Ortes Beaconsfield erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs läuteten. Die beiden dreifachen Familienväter Russell und Webb waren am 25. April bei einem Erdbeben in einem Metallkäfig verschüttet worden. Im Laufe ihrer Gefangenschaft wurden sie für die Australier zu wahren Nationalhelden. Ministerpräsident John Howard zeigte sich erleichtert und erfreut über den Erfolg der Rettungsaktion.

Hunderte von den Kirchenglocken herbeigerufene Bewohner von Beaconsfield auf der Insel Tasmanien klatschten und jubelten, als die beiden Geretteten im Morgengrauen oben ankamen. Ohne fremde Hilfe konnten die Bergleute auf ihre Familien zugehen und sie umarmen. Anschließend verteilten sie Visitenkarten an die Anwesenden, auf denen sie "allen, die geholfen und uns und unsere Familien unterstützt haben", dankten. "Wir können gar nicht ausdrücken, wie dankbar wir sind", sagten sie. Russell und Webb wurden dann getrennt im Krankenwagen in die nächstgelegene Klinik gefahren, um dort untersucht zu werden.

Die Rettungskräfte und Freunde zogen weiter ins örtliche Pub, um die Rettung zu begießen. Zur Feier des Tages öffnete das Lokal von Chris Rundle schon zeitig in der Früh. "Ich schätze, sie werden ziemlich heftig feiern", sagte Rundle. "Ich werde die ganze Nacht hier sein." Einer der im Pub anwesenden Bergmänner, der an der Rettung beteiligt gewesen war, erinnerte daran, dass ein dritter verschütteter Kumpel bei dem Unglück ums Leben gekommen war. Er sprach von einem "bittersüßen Tag". Larry Knight sollte am Dienstag beerdigt werden. Ob Webb und Russell an dem Begräbnis würden teilnehmen können, war zunächst unklar.

Die Bergungsmannschaften waren nach fieberhaftem Einsatz gegen 05.00 Uhr früh (Ortszeit) zu den in einem Kilometer Tiefe festsitzenden Männern vorgedrungen, wie der Manager der Goldmine, Matthew Gill, sagte. "Ich kann Euer Licht sehen", rief einer der Männer, als er durch die letzte Felsschichten drang. Russell und Webb riefen zurück: "Wir können Euer Licht auch sehen!" Bill Shorten von der australischen Arbeitergewerkschaft sprach von einem "unglaublichen" Tag. "Ein Traum ist wahr geworden", sagte der Bürgermeister von Beaconsfield, Barry Easther.

Russell und Webb waren erst fünf Tage nach dem Erdbeben entdeckt worden, bei dem ein Goldminenarbeiter ums Leben kam und 14 weitere sich rechtzeitig retten konnten. Die beiden Kumpel steckten in einem von Steinen und Geröll verschütteten Metallkäfig von 1,20 Meter Höhe fest, in dem sie während des Bebens gearbeitet hatten. Auf den Käfig, der kein Dach hatte, war eine Steinplatte gefallen, die die beiden Männer vor weiteren Felsen schützte und ihnen so das Leben rettete. Die ersten fünf Tage tranken sie Wasser, das von den Felsen tropfte. Nach ihrer Entdeckung wurde eine schmale Röhre durch den Schutt in den Käfig gelegt, über die die Bergarbeiter mit Nahrung, Kleidung und Decken versorgt wurden.

(apa)

9.5.2006 11:00