Faible für Jets und Shakespeare: Luftwaffen-General Michael Hayden neuer CIA-Chef
- Ex-NSA-Boss als 'Mann des entschlossenen Handelns'
- Wurde durch umstrittene Abhör-Aktionen bekannt
US-Präsident George W. Bush hat wie erwartet Luftwaffengeneral Michael Hayden als Nachfolger für den zurückgetretenen CIA-Chef Porter Goss nominiert. Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley hatte zuvor Hayden gegen Kritik verteidigt und erklärt, der Präsident sei der Meinung, dass Hayden "die richtige Person zur richtigen Zeit im richtigen Job" sei. Zuvor hatten sich Abgeordnete beider politischer Lager gegen den 61-Jährigen ausgesprochen.
Hayden sei "äußerst qualifiziert" und kenne die Geheimdienstarbeit sehr genau, erklärte Bush. Die Regierung hoffe auf eine baldige Bestätigung Haydens durch den Senat, sagte Hadley. Um Bedenken wegen einer weiteren Militarisierung der Geheimdienste Rechnung zu tragen, solle die Nummer zwei der CIA, Vizeadmiral Albert Calland, nach weniger als einem Jahr seinen Posten aufgeben, verlautete aus Regierungskreisen.
Wahrscheinlich seien darüber hinaus weitere personelle Veränderungen. Hayden ist derzeit Stellvertreter des Nationalen Geheimdienstkoordinators John Negroponte und gilt als dessen engster Vertrauter. Sollte er die Leitung der CIA übernehmen, würde jeder US-Geheimdienst von einem Offizier geführt.
Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Peter Hoekstra, hatte zuvor kritisiert, Hayden sei "die falsche Person am falschen Ort zur falschen Zeit". Ein General an der Spitze der CIA könne den Eindruck erwecken, dass der Geheimdienst vom Verteidigungsministerium kontrolliert werde, sagte Hoekstra dem Fernsehsender Fox.
Auch der demokratische Senator Joseph Biden befürchtete, die Ernennung Haydens könnte den Eindruck entstehen lassen, dass das Pentagon sich die CIA einverleibt habe. Der republikanische Abgeordnete Saxby Chambliss zeigte sich ebenfalls kritisch. Die Tatsache, dass Hayden den Streitkräften angehöre, sei ein "größeres Problem". Selbst wenn Hayden seinen militärischen Posten aufgäbe, wäre dieses Problem nicht gelöst, erklärten Chambliss und Hoekstra.
Hayden in Abhöraffäre verwickelt
Ins internationale Rampenlicht trat Michael Hayden zum ersten Mal im Dezember, als das geheime Abhören von Telefongesprächen durch die US-Regierung bekannt wurde. Hayden, damals Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA), hatte die Überwachungen ohne richterliche Genehmigung mit initiiert und vehement verteidigt. Nach dem überraschenden Rücktritt von Porter Goss soll der 61 Jahre alte Luftwaffengeneral jetzt CIA-Chef werden.
In Jobs wie seinem spreche man in der Regel erst dann über seine Arbeit, wenn sie bereits Geschichte sei, erklärte Hayden nach Bekanntwerden der Abhöraktion. Dennoch verteidigte er das Programm wortreich vor dem Nationalen Presseclub. Man habe dadurch Informationen erhalten, die auf andere Weise nicht zu beschaffen gewesen wären, argumentierte er.
Gilt als entschlossen
Von 1999 bis zum vergangenen Jahr leitete Hayden die NSA, zurzeit ist er Stellvertreter des Nationalen Geheimdienstdirektors John Negroponte. Er gilt als Mann des entschlossenen Handelns, wie der Historiker Matthew Aid erklärt: So habe Hayden einen stellvertretenden Direktor kurzerhand nach London versetzt, als dieser sich Veränderungen in der NSA widersetzen wollte. "Er hat nicht gesagt 'Ihr seid hier die altgedienten Veteranen'", sagte Aid. "Er hat gesagt 'Ihr seid für uns oder Ihr seid gegen uns'". Alle Kollegen, die sich nicht auf seine Seite gestellt hätten, seien in Rente gegangen oder versetzt worden.
Aufgewachsen ist Hayden in einem Arbeiterviertel in Pittsburgh. Sein Vater war Fabrikarbeiter, sein Bruder Lastwagenfahrer. Hayden selbst jobbte als Taxifahrer, um sich sein Geschichtsstudium finanzieren zu können. Für die Luftwaffe war er in Bulgarien, Südkorea und Deutschland im Einsatz. Nach Angaben der republikanischen Abgeordneten Jane Harman hat der General ein Faible für Shakespeare.
(APA/red)
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