Dienstag, 9. Mai 2006

"Brief zur Weltlage": Irans Ahmadinejad tritt erstmals mit George W. Bush in Kontakt

  • Präsident zeigt "neue Wege" zur Entspannung auf

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat US-Präsident George W. Bush in einem Brief Vorschläge zur Beilegung der bestehenden Differenzen unterbreitet. Ahmadinejad schlage "neue Lösungen als Ausweg aus den internationalen Problemen" vor, erklärte Regierungssprecher Gholam Hossein Elham in Teheran. Das Schreiben werde durch Vermittlung der Schweiz übermittelt. Den Streit um das iranische Atomprogramm erwähnte der Sprecher aber nicht explizit.

Es ist der erste Brief eines iranischen Staatsoberhauptes an einen amerikanischen Präsidenten seit 27 Jahren. Nach der Islamischen Revolution und der Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft waren die diplomatischen Beziehungen abgebrochen worden. Seither nimmt die Schweiz die Vertretung der US-Interessen im Iran wahr.

Brief wurde Schweizer Botschafter übergeben
Der Brief des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad an Bush ist der Schweizer Botschaft übergeben worden, welche seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran die Interessen der USA im Iran vertritt. Außenminister Manouchehr Mottaki habe das Schreiben des Staatspräsidenten dem Schweizer Botschafter Philippe Welti überreicht, sagte Außenamtssprecher Hamid Reza Assefi laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Isna.

Der Sprecher des Außenministeriums machte keine Angaben zum Inhalt des Schreibens. Es handle sich nicht um einen offenen Brief, sagte er und fügte hinzu: "Er wird im geeigneten Moment veröffentlicht." Ein Teheraner Regierungssprecher hatte am Morgen mitgeteilt, Ahmadinejad schlage Bush in dem Brief "neue Wege" zur Lösung der Spannungen vor, ohne den Atomkonflikt explizit zu erwaähnen.

IAEO als Instanz?
Der iranische Chefunterhändler Ali Larijani ist am Montag zu Gesprächen mit der türkischen Regierung in Ankara eingetroffen. Bei seiner Ankunft bekräftigte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, dass Teheran eine friedliche Beilegung des Konflikts wünsche. Der Iran sehe die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien als "Instanz für eine Lösung" an, nicht aber den Weltsicherheitsrat in New York.

Larijani unterstrich die engen Beziehungen seines Landes zur Türkei, die auf einer weit zurückreichenden Zusammenarbeit beruhten. Daraus ergäben sich "gemeinsame Bedrohungen und Interessen", sagte er. Zwischen Ankara und Teheran gibt es insbesondere Übereinstimmung in der Kurdenpolitik gegenüber dem Irak. Vorgesehen waren Gespräche mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Außenminister Abdullah Gül. Bisher hat die türkische Regierung den Iran stets zu mehr "Transparenz" hinsichtlich seines umstrittenen Atomprogramms aufgefordert. Erdogan war vergangene Woche bei einem Regionalgipfel in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad zusammengetroffen.

(apa/red)

9.5.2006 08:05