Mittwoch, 10. Mai 2006

'Alternativen-Gipfel' in Wien: Harte Kritik
an multinationalen Konzernen aus Europa

  • Großkonferenz von Nicht-Regierungsorganisationen
  • Workshops unter Motto "Alternativen verknüpfen"

Einen Tag vor Beginn des Gipfels der Staats- und Regierungschefs aus EU und Lateinamerika startete in Wien eine dreitägige Großkonferenz von Nicht- Regierungsorganisationen. Dabei werden u.a. die Auswirkungen neoliberaler Politik aufgezeigt werden. Höhepunkt des "Alternativen-Gipfels" sind Auftritte der Staatschefs von Venezuela und Bolivien, Chavez und Morales.

Vielfach ist von Ausbeutung die Rede, wenn kritische Gruppen über die Aktivitäten transnationaler Konzerne in Lateinamerika diskutieren: Ob Rohstoffausbeutung oder mangelnde Umweltstandards, die Liste der Vorwürfe ist lang. Beim Alternativen-Gipfel werden im Rahmen eines so genannten "Permanenten Tribunals der Völker", das hauptsächlich von NGOs beschickt wird, einige Fälle präsentiert. Vertreter der "angeklagten" Firmen sind zu den Hearings nicht eingeladen.

Auch der börsennotierte Grazer Anlagenbauer Andritz muss sich bei den Präsentationen einzelner Fälle auf heftige Kritik einstellen. Dem Unternehmen wird von Umweltschutzorganisationen vorgeworfen, bei Zellstoff und Papierwerk-Projekten in Brasilien, Chile oder Uruguay Umweltstandards zu missachten, für die Zerstörung des Regenwaldes mitverantwortlich zu sein und es auch mit sozialen Verpflichtungen nicht allzu genau zu nehmen.

Das zivilgesellschaftlich aufgezogene Tribunal ist in fünf Sektionen unterteilt: Natürliche Ressourcen, Öffentliche Dienstleistungen, Finanzbereich, Ernährungsindustrien und Arbeitssektor. British Petrol (BP), Benetton oder ABN AMRO sind einige der bekanntesten Firmen, deren Unternehmungen in Lateinamerika bei den einzelnen Panels kritisch unter die Lupe genommen werden.

Allgemeiner Tenor der Alternativen-Veranstaltung "EA2" ("Enladanzo alternativas"/"Alternativen verknüpfen") : Das von den transnationalen Konzernen dominierte asymmetrische Machtverhältnis nehme "den Menschen die Würde", anstatt sie ihnen "endlich" zurückzugeben.

Die ekuadorianische Indigenen-Vertreterin Blanca Chancoso brachte die Forderung des Alternativen-Gipfels folgendermaßen auf den Punkt: "Nein zum Interventionismus, Nein zum Freihandel und Nein zum Neoliberalismus" Auch sei es ein Trugschluss, zu glauben, dass europäische "Multis" verantwortungsbewusster agierten als ihre US-amerikanischen Pendants, wie eine brasilianische Sprecherin bemerkte.

(apa/red)

10.5.2006 17:51