Dienstag, 9. Mai 2006

Gefahrengut-Waggon in Brand geraten: Defektes Heizgerät war schuld an Unglück

  • Keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung

Der Brand in einem Gefahrengut-Waggon der Wiener Lokalbahnen in Schärding dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben. Es habe Mängel bei den Beförderungspapieren gegeben, erklärte der Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft, Franz Ruhmanseder. Daher sei für die Feuerwehr lange Zeit unklar gewesen, welche Substanz der Zug tatsächlich geladen hatte.

Vorerst stehe nicht fest, wer dafür verantwortlich sei, so Ruhmanseder. Sowohl der Absender der Fracht als auch der Befüller oder der Spediteur kämen dafür in Frage. Entsprechende Ermittlungen werden durchgeführt. Wenn man ein Gefährdungstatbestand feststellen sollte, werde die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben, sagte Ruhmanseder.

Der Brand war gegen 1.00 Uhr früh ausgebrochen. Ein defektes Heizaggregat hatte Feuer gefangen, die Flammen drohten auf die Ladung - 25 Tonnen brennbares Phthalsäureanhydrid - überzugreifen. Die Substanz, ein Rohstoff in der Kunstharzerzeugung, wird in flüssigem Zustand bei einer Temperatur von rund 180 Grad Celsius transportiert.

Der Fahrdienstleiter und der Lokführer konnten die Flammen mit Feuerlöschern selbst eindämmen. Da sich die Fracht, deren genaue chemische Zusammensetzung zunächst noch nicht eindeutig geklärt war, durch den Brand weiter erwärmte, mussten die Feuerwehrmänner den Waggon stundenlang mit Wasserwerfern kühlen. Erst als die Temperatur wieder stabil war, konnte man den Zug auf ein Nebengleis verschieben.

Der Bahnhof Schärding und die Bahnstrecke Wels-Passau waren während des Einsatzes gesperrt. Die ÖBB richteten in der Nacht einen Schienenersatzverkehr ein. Kurz nach 6.00 Uhr früh herrschte am Bahnhof dann wieder annähernd Normalbetrieb. Am Vormittag entspannte sich die Lage weiter, Gefahr für die Bevölkerung und habe nicht bestanden, gab Bezirkshauptmann Rudolf Greiner am Vormittag Entwarnung. Der Gesamtschaden ist laut Sicherheitsdirektion vorerst nicht bekannt.

Phthalsäureanhydrid gilt als gesundheitsschädlich und allergen. Es wirkt reizend auf die Augen, die Haut und die Schleimhäute. (apa)

9.5.2006 14:28