Mittwoch, 3. Mai 2006

Die ÖGB-Pleite: Die Protokolle der Bawag-Rettung. Das Dossier zum Finanzdrama.

  • Pleite in Rot: ÖGB und Bawag standen vor Insolvenz!
  • Die Bundesregierung rettete die Sozialpartnerschaft

Pleite in Rot: ÖGB & Bawag standen kurz vor Insolvenz! Die Eigenmittel von ÖGB und Bawag lagen weit unter dem Limit. Bundesregierung rettete beide.

Wolfgang Schüssel und K.-H. Grasser sind die Helden des 1. Mai. Wenige Stunden zuvor wurden beide in den Maiaufmärschen der SPÖ noch als neoliberale Klassenfeinde und Bawag-Vernichter angeprangert. Doch schon am Abend dieses Tages bedankten sich ranghohe Genossen überschwenglich für die Rettung von Bawag P.S.K. und ÖGB. Der Finanzminister hatte – abgesprochen mit dem Kanzler – in bemerkenswerter Schnelligkeit eine 900-Millionen-Bundesgarantie flüssig gemacht. Gerade noch rechtzeitig, denn um 22.13 Uhr setzte die KPMG, die Prüferin der Bawag-Bilanzen, eine E-Mail „gem. § 63 Abs. 3 BWG“ an die Finanzmarktaufsicht ab. Darin kam die KPMG ihrer im Bankwesengesetz vorgeschriebenen Warnpflicht vor Überschuldung nach.

Showdown am Mittwoch. Ohne die Staatsgarantie wäre Österreichs viertgrößte Bank diese Woche am Ende gewesen. Und mit ihr der ÖGB – konkret: die AVP Beteiligungs GmbH, eine alleinige Tochter der „Österreichische gewerkschaftliche Solidarität-Privatstiftung“ (eine hundertprozentige Tochter des ÖGB).

Bawag und AVP wären ohne Schüssel und Grasser spätestens am Mittwoch illiquid geworden. Anderslautende Beschwichtigungen sind geschönte Legenden. Bawag-General Ewald Nowotny – der als vollkommen unschuldiges Opfer seiner skrupellosen Vorgänger nun das Karibik- und Refco-Abenteuer auszubaden hat – erklärte in vertraulichem Kreis, die Lage sei „dramatisch“ und „sehr, sehr ernst“.

Was ist passiert?
Seit Bekanntwerden der 1,3-Milliarden-Dollar-Klage der amerikanischen Refco-Opfer gegen die Bawag P.S.K. haben Tausende Kunden in Österreich 1,105.000.000 Euro von ihren Konten behoben. Sehr ernst wurde es, als Großkunden begannen, ihren Kapitalabzug „aufgrund der unsicheren Lage“ zu realisieren. Und ganz besonders dramatisch wurde es, als in der Vorwoche der Hauptverband der Sozialversicherungen „mit Bedauern“ ankündigte, seine Bawag-P.S.K.-Konten zu kündigen. „Ab diesem Zeitpunkt brannte der Hut“ (ein Insider).

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PLUS:
• Der rote Offenbarungseid: Wie die Regierung die Bawag und den ÖGB vor der Insolvenz retteten.
• Flöttl, Elsner & Co im Visier der Justiz: Im größten Wirtschaftsskandal der Republik wird jetzt wegen Korruption ermittelt.
• Aufgedeckt: Neuer Bawag-Luxus. Neue Fotos der Luxus-Penthäuser, neue Villen von Bawag-Vorständen.
• Verzetnitsch: Sein Leben nach dem Fall. Vom ÖGB hinausgeschmissen, abgemagert, depressiv, abgetaucht nach Brasilien.

3.5.2006 17:53