Montag, 8. Mai 2006

Heimischer Energie-Riese im Anmarsch:
OMV und Verbund streben Mega-Allianz an

  • Mittelgroßer europäischer Player im Entstehen
  • Energiekonzern mit Komponenten Gas, Öl & Strom

Die OMV und der Verbund wollen zusammengehen, dadurch würde ein österreichischer Energieriese mit einem Umsatz von zusammen rund 18 Mrd. Euro und einem addierten Börsewert von rund 30 Mrd. Euro entstehen. Es werde über "eine Vereinbarung zur Bildung einer Allianz im Energiebereich" verhandelt, teilten die beiden börsenotierten Unternehmen mit. Details wurden nicht bekannt gegeben.

Es sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es in der Mitteilung der beiden Unternehmen. Das mögliche Synergiepotenzial zwischen den jeweiligen Gas- und Stromgeschäften sei zum Beispiel einer der Bereiche, die erschlossen werden sollen, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung.

Fusion oder Übernahme?
In Medienberichten ist die Rede von einer möglichen Fusion, für den Kapitalmarkt ist eine Übernahme des Verbund durch die OMV eine wahrscheinliche Variante. Aus mit den Unternehmen vertrauten Kreisen wurde betont, dass sich ein integrierter Energiekonzern auf den Wachstumsraum Südosteuropa/Türkei konzentrieren und dabei eine Art "Sperrriegel" gegen Expansionspläne der deutschen Energieriesen E.ON und RWE etc. legen könnte. Die OMV ist in der Region bereits stark vertreten, der Verbund ist dort nicht tätig. Für einen Stromversorger sei es günstig, wenn für die kalorische Erzeugung Gas im eigenen Konzern verfügbar sei.

Kartellprüfungsverfahren der EU-Kommission?
Bei einem Zusammenschluss rechnet der Leiter der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Walter Barfuß, mit einem vertieften Kartellprüfungsverfahren vor der EU-Kommission. Er erwartet eine Genehmigung durch Brüssel nur unter Auflagen, vor allem im Gasbereich.

SPÖ müsste Fusion zustimmen
Für eine Fusion ist ein breiter Polit-Konsens nötig. Der Verbund ist zu 51 Prozent im Besitz der Republik Österreich, die OMV gehört zu 31,5 Prozent der Staatsholding ÖIAG. Die öffentliche Mehrheit am Verbund ist verfassungsrechtlich festgeschrieben, für eine Änderung ist im Parlament eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig. Die SPÖ muss also zustimmen. Dieser Konsens ist Medienberichten zufolge bereits gegeben, die Gesetzesänderung soll noch vor dem Sommer erfolgen. Offiziell äußern wollte man sich aus der SPÖ gegenüber der APA nicht. Noch nicht bekannt ist derzeit die Haltung des mit der ÖIAG syndizierten Großaktionärs IPIC (Abu Dhabi).

Zustimmung kommt von ÖVP-Seite. Wirtschaftsminister und Verbund-Eigentümervertreter Martin Bartenstein erklärte, dass er die von den Vorständen ausgehenden Überlegungen unterstütze, denn damit entstünde ein Energieplayer von europaweiter Dimension mit interessantem Synergiepotenzial bei Strom und Gas und beachtlicher Fantasie in Mittel- und Osteuropa. Für Finanzstaatssekretär Alfred Finz entspricht dieser Schritt dem "internationalen Trend". Mit einer Fusion würden die Unternehmen ihre Position stärken und könnten so etwa feindliche Übernahmen abwehren. Laut Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl könnte ein integrierter Energiekonzern zu einem mittelgroßen europäischen Player werden.

Kritisch äußert sich Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger (IVA), der Synergieeffekte vermisst und diese allenfalls im Gasgeschäft sieht. Der Umweltdachverbandspräsident Gerhard Heilingbrunner warnte vor einer Privatisierung der österreichischen Wasserkraft.

Die Allianz von OMV und Verbund würde auch andere Stromfirmen einbeziehen. Denn Verbund und die aus EVN, Wien Energie und Bewag bestehende EnergieAllianz planen im Rahmen der Österreichischen Stromlösung (ÖSL) eine Kooperation im Großkundengeschäft und im Stromhandel. Der Verbund hält zudem Beteiligungen in Kärnten und der Steiermark und will beim oberösterreichischen Landesversorger EAG einsteigen.

Niessl & Voves dagegen
Die Landesenergiegesellschaften bzw. ihre Eigentümer gaben sich gelassen und befürworten großteils ein Abgehen von staatlicher Mehrheit beim Verbund. Die Landesgesellschaften sollten aber weiterhin im Eigentum der öffentlichen Hand stehen. So erklärten beispielsweise der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (S), so lange er Landeshauptmann sei und die SPÖ die Mehrheit im Land habe "werden wir das sicher nicht machen". Gleiches kam von seinem steirischen Kollegen Franz Voves (S): "So lange ich Landeshauptmann der Steiermark sein darf, wird es immer mindestens einen 51-Prozent-Anteil des Landes an der EStAG geben". Niederösterreichs Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (V) warnte davor, die Österreichische Stromlösung zu gefährden.

Die OMV erzielte 2005 einen Umsatz von 15,6 Mrd. Euro und ein Ebit von 1,96 Mrd. Euro. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 17 Mrd. Euro. Beschäftigt sind rund 50.000 Mitarbeiter, davon rund 45.000 bei der Rumänien-Tochter Petrom. Größter OMV-Eigentümer ist mit 31,5 Prozent die Staatsholding ÖIAG, die International Petroleum Investment Company (IPIC, Abu Dhabi) hält 17,6 Prozent, ihr Anteil ist mit der ÖIAG syndiziert. 50,9 Prozent der OMV-Anteile befinden sich in Streubesitz.

Der Verbund machte 2005 rund 2,5 Mrd. Umsatz und erzielte ein Ebit von rund 527 Mio. Euro. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 12,6 Mrd. Euro. Beschäftigt sind rund 2.400 Mitarbeiter. Haupteigentümer ist die Republik Österreich mit 51 Prozent. 12,5 Prozent hält der ebenfalls börsenotierte niederösterreichische Versorger EVN. Die Wiener Stadtwerke sind mit rund 12 Prozent beteiligt und die Tiroler Tiwag mit 7,2 Prozent. Der Rest ist Streubesitz. Aus der Tiwag hieß es, dass man den Anteil behalten werde. (apa/red)

8.5.2006 19:01