Donnerstag, 1. Juni 2006

Schulungen steigen, Arbeitslosenzahl fällt: 274.476 Personen waren im Mai ohne Job

  • Schulungen stiegen im Jahresvergleich um 34,1 %
  • Quote in EU stagniert - Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Der Anstieg bei den Schulungen um über 20 Prozent spiegelt sich deutlich in den offiziellen Arbeitslosenzahlen wider: Im Mai waren nach offizieller Zählung 211.850 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren um 5,1 Prozent oder um 11.502 Betroffene weniger als vor einem Jahr, geht aus den aktuellen Arbeitsmarktdaten des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Die Arbeitslosenrate nach nationaler Berechnung ging im Mai auf 6,1 Prozent nach 6,5 Prozent im Vorjahr und 6,7 Prozent Ende April zurück.

Rechnet man allerdings die im Jahresvergleich um 21,4 Prozent auf 62.626 gestiegenen Schulungen dazu, so waren im Mai 274.476 Personen ohne Arbeit, das waren lediglich um 0,2 Prozent oder 443 Personen weniger als im Mai 2005. Die Jugendarbeitslosigkeit ging im Berichtsmonat deutlich, und zwar um 8,1 Prozent auf noch immer 32.910 arbeitslose Jugendliche bis 24 Jahre zurück.

Die Schulungsaktivitäten stiegen in allen Altersgruppen und in allen Bundesländern im Jahresvergleich deutlich an. Die stärksten absoluten Zuwächse bei den Schulungsteilnehmern gab es im Mai in der Steiermark mit plus 52,1 Prozent, gefolgt von Niederösterreich mit 23,8 Prozent und Oberösterreich mit plus 17,2 Prozent. In Wien nahmen die Schulungen um 9,4 Prozent zu.

Kein Verständnis für die Kritik daran, dass die niedrigere Arbeitslosenrate im Mai nur durch die gestiegene Zahl an Schulungen zu Stande kam, zeigte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V): Schulungen seien sinnvoll, weil sie die Integration am Arbeitsmarkt später erleichtern, sagte er nach dem Ministerrat. Vizekanzler Hubert Gorbach (B) und Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) sehen mit den Mai-Daten die Trendwende am Arbeitsmarkt bestätigt.

"Wie bereits im Vormonat ist ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erkennen. Im Mai hat sich diese Tendenz bestätigt", sagte Bartenstein, der als Ursachen vor allem das stabile Wirtschaftswachstum von nunmehr rund 2,5 Prozent nennt. Weiters bleibe der Anstieg des gesamten Arbeitskräftepotenzials unter den Zuwächsen des Vorjahres, obwohl der Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland nach wie vor anhalte (Ende April 2006 waren gegenüber dem Vorjahr um 8.600 mehr Personen aus dem westlichen Nachbarland am österreichischen Arbeitsmarkt).

Kritisch zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten für Mai äußerten sich die Oppositionsparteien SPÖ, FPÖ und Grüne. "Es muss endlich einmal Schluss sein damit, dass die Regierung die Rekordarbeitslosigkeit nur schönredet. Es ist hoch an der Zeit, dass endlich wirksame Maßnahmen ergriffen werden", so SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sprach vom "Verstecken" von Arbeitslosen in Schulungen, die heute veröffentliche Statistik sei mit den üblichen "Taschenspielertricks" geschönt worden. "Wer behauptet, die Arbeitslosigkeit ginge zurück, verkauft die Menschen für blöd", so der stellvertretende Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger: "So lange der Besuch eines sinnlosen und schikanösen Kurses die Langzeitarbeitslosigkeit unterbricht oder verhindert, ohne dass die Betroffenen auch nur einen Tag Arbeit gehabt hätten, ist die Bartenstein-Behauptung über den Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit nichts anders als heiße Luft." (apa)

1.6.2006 16:27