Pischetsrieders Tage sind gezählt: VW-Chef verlässt mit Ende Dezember den Konzern!
- Audi-Chef Winterkorn folgt bereits mit Anfang 2007
Der Vorstandschef der Volkswagen AG, Bernd Pischetsrieder, verlässt überraschend den Autobauer. Er werde Ende Dezember ausscheiden, teilte die Volkswagen AG in Wolfsburg mit. Nachfolger an der Spitze des größten europäischen Autobauers soll der 59-jährige Audi-Chef Martin Winterkorn werden.
Über die Hintergründe wollte VW zunächst nichts mitteilen. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates und Pischetsrieder hätten sich "einvernehmlich" auf die Trennung verständigt, hieß es in der offiziellen Erklärung des Unternehmens. Diese Sprachregelung deutet üblicherweise auf Auseinandersetzungen im Führungskader hin. Aus Porsche-Kreisen hieß es: "Das kam heute für uns nicht überraschend." Dem VW-Präsidium gehört auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking an. Porsche ist derzeit mit 21,2 Prozent größter Anteilseigner von VW vor dem Land Niedersachsen.
Das Präsidium empfehle die Berufung von Winterkorn als neuen Vorstandschef von VW. Darüber werde der Aufsichtsrat am 17. November entscheiden, hieß es in der Mitteilung. VW-Aufsichtsratschef ist Pischetsrieders Vorgänger Ferdinand Piech.
Winterkorn ist seit März 2002 Audi-Vorstandschef. Der 59 Jahre alte Manager steht vor einer schweren Aufgabe, da die Marke VW in der Krise ist und mit einem tief greifenden Sanierungsprogramm wieder flott gemacht werden muss. Bei Audi hatte der grundsolide Schwabe zuletzt Absatzerfolge gefeiert.
VW steht unter Druck
Europas größter Autohersteller steht unter starkem Druck. Die Marke VW kämpft mit Ertragsproblemen, die das Kerngeschäft des Konzerns im vergangenen Jahr an den Rand der roten Zahlen brachten. Die westdeutschen Werke - Rückgrat der VW-Produktion - hatten einen dreistelligen Millionenverlust verzeichnet. Deshalb hatte Pischetsrieder im Frühjahr der Traditionsmarke eine tief greifende Restrukturierung verpasst. Er stellte zur Sanierung der Marke VW 20.000 Stellen auf den Prüfstand.
Pischetsrieders Laufbahn hatte schon einmal eine überraschende Wende genommen. Als der Ex-BMW-Chef 1999 seinen Stuhl in München wegen des Debakels um die britische Rover-Tochter räumen musste, schien seine Laufbahn in der Automobilbranche zu Ende. Doch holte ihn Piech nur ein Jahr später zu VW. Im April 2002 wurde Pischetsrieder Nachfolger Piechs an der Konzernspitze. Der Vertrag des VW-Lenkers war erst im Mai bis 2012 verlängert worden.
Ende September gelang nach einem monatelangen Ringen ein Durchbruch in den Verhandlungen mit der IG Metall. Die Gewerkschaft stimmte im Kern deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zu. Damit wurde die Abkehr von der seit 13 Jahren geltenden Vier-Tage-Woche besiegelt. Im Gegenzug gab der Autohersteller verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.
Zuletzt zeigten sich erste Erfolge
Zuletzt zeigten sich erste Erfolge bei der Restrukturierung bei VW. Von Januar bis September konnte VW Absatz und Umsatz kräftig steigern, der operative Ertrag sank zwar durch die Sanierungskosten um mehr als 27 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro im Konzern. Die Markengruppe Volkswagen, zu der auch Bentley, Bugatti und Skoda gehören, steigerte das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen von 100 Mio. Euro auf 1,1 Mrd. Euro.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wünscht sich nach dem angekündigten Führungswechsel bei Volkswagen eine Fortsetzung des bisherigen Unternehmenskurses. "Die niedersächsische Landesregierung dankt Bernd Pischetsrieder für die erfolgreiche Führung der Volkswagen AG in den letzten viereinhalb Jahren", sagte Wulff am Dienstagabend. "Die Landesregierung wünscht Prof. Dr. Martin Winterkorn - vorbehaltlich der Bestätigung durch den Aufsichtsrat am 17. November 2006 - viel Erfolg. VW ist auf einem guten Weg der konsequent weiter beschritten werden muss", so Wulff. (apa)

